Neue Wege in der Behandlung von Patienten mit Gerinnungshemmern

Erste Ergebnisse des Versorgungsforschungsprojekts "thrombEVAL" liegen vor

10.05.2012

Das Centrum für Thrombose und Hämostase (CTH) der Universitätsmedizin Mainz untersucht seit Januar 2011 im Rahmen des vom Gesundheitsministerium geförderten Landesleitprojekts "thrombEVAL" der Initiative Gesundheitswirtschaft Rheinland-Pfalz die medizinische Versorgung von Patienten, die regelmäßig Gerinnungshemmer, also blutverdünnende Medikamente wie Marcumar, einnehmen. Ziel des Studienprogramms ist es, neue Wege aufzuzeigen, um deren Versorgung zu optimieren. Im Rahmen eines Besuchs durch die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Malu Dreyer wurden jetzt erste Zwischenergebnisse vorgestellt. Demnach steigt die Qualität der Behandlung deutlich, wenn Patienten in einem telemedizinisch unterstützten Gerinnungsdienst betreut werden.

Die Anzahl an Personen, die eine Behandlung mit sog. oralen Antikoagulantien, das heißt Medikamenten zur Gerinnungshemmung, bekommen, wird in den kommenden Jahren aufgrund einer immer älter werdenden Bevölkerung weiter ansteigen. Die häufigsten Komplikationen der Behandlung, insbesondere bei einer unzureichenden Einstellung der Blutgerinnung, sind das Auftreten von Blutungen sowie Thrombosen und Embolien. Oft sind Schlaganfälle die Folge. Für das Gesundheitswesen bedeutet dies erhebliche Kosten und für die Patienten ein hohes gesundheitliches Risiko. Die Komplikationsraten durch Blutungen bzw. Thromboembolien bei Einnahme von Gerinnungshemmern sind in den Ländern, in denen die Betreuung der Patienten durch speziell eingerichtete zentrale Dienste erfolgt, niedriger.

Im Rahmen des Landesleitprojekts "thrombEVAL" soll unter anderem erstmals modellhaft unter Studienbedingungen das Versorgungskonzept eines solch zentralen telemedizinisch unterstützten Gerinnungsdiensts untersucht werden. Im Rahmen des Projekts konnten die Wissenschaftler neue Erkenntnisse zur gesundheitlichen Situation sowie den Lebensumständen der Patienten, aber auch zu ihren Erfahrungen mit der Behandlung sowie zum Leben mit der Erkrankung gewinnen. "Insgesamt war die Behandlungsqualität von Patienten in der herkömmlichen medizinischen Versorgung in Rheinland-Pfalz im internationalen Vergleich relativ gut", berichtet Projektleiter Dr. Philipp Wild. "Dennoch konnte die Qualität der Behandlung im Gerinnungsdienst nochmals deutlich gesteigert werden." Die Wissenschaftler des CTH gehen davon aus, dass dies zu einer substanziellen Verringerung von Komplikationen der Therapie führen wird. Nun soll das Versorgungskonzept "Gerinnungsdienst" in die ambulante Versorgung der Praxen integriert werden. Gesundheitsministerin Malu Dreyer ist beeindruckt: "Dieses Projekt unterstreicht, wie hervorragend Vertreterinnen und Vertreter aus verschiedenen Institutionen und Einrichtungen der Universitätsmedizin, des Gesundheitssystems und Unternehmen der Industrie mit der Gesundheitswirtschaft Rheinland-Pfalz zusammenarbeiten. Das Netzwerk hat neue Möglichkeiten zur Optimierung der Therapie geschaffen, die in die Fläche gebracht werden sollen."