Projekt "Medienhaus Mainz" wird Bild der Stadt als herausragenden Medienstandort abrunden

Plattform für Fragen der Zukunftsgestaltung der Medien in Gesellschaft, Hochschule und Wirtschaft

22.04.2010

PRESSEMITTEILUNG DES MINISTERIUMS FÜR BILDUNG, WISSENSCHAFT, JUGEND UND KULTUR

"Der Ausbau und die Weiterentwicklung des Medienstandorts Rheinland-Pfalz sind schon seit Langem zentrale Anliegen der Landesregierung. Der Weiterentwicklung der Medienlandschaft, die von einer zunehmenden Überschneidung der medialen Aktivitäten im Printbereich, auf dem audio-visuellen Sektor und im Internet gekennzeichnet ist, will die Landesregierung auch auf dem Feld der Ausbildung von Fachkräften Rechnung tragen. Wir wollen die verschiedensten Angebote für Medienberufe gerade in der akademischen Ausbildung zusammenbringen, damit sie direkt miteinander agieren und voneinander profitieren können", so der Chef der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz, Martin Stadelmaier, bei der Vorstellung der ersten Planungen für ein neues Medienhaus auf dem Campus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU).

"Das Projekt wird das Bild der Stadt Mainz als herausragender Standort für Medienforschung, -entwicklung und Medienpraxis abrunden", so Stadelmaier, der in Vertretung des kurzfristig verhinderten Ministerpräsidenten gemeinsam mit Wissenschaftsministerin Doris Ahnen sowie den Präsidenten der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Fachhochschule Mainz, Prof. Dr. Georg Krausch und Prof. Dr. Gerhard Muth, das Projekt "Medienhaus Mainz" vorstellte. An der Pressekonferenz nahmen auch der Sprecher des Mainzer Forschungsschwerpunkts Medienkonvergenz, Prof. Dr. Stephan Füssel, sowie der Hauptgeschäftsführer der IHK für Rheinhessen, Richard Patzke, teil.

Die in Mainz selbst und im unmittelbaren Umfeld des Rhein-Main-Gebiets positionierten Rundfunk- und Fernsehanstalten, Verlage, Medienfirmen, Institutionen und Organisationen böten die ideale Umgebung für ein solches Projekt, unterstrich Stadelmaier. Mit dem Medienkompetenznetzwerk Mainz/Rheinhessen, dem neben den Hochschulen und weiteren in der Medienerziehung aktiven Institutionen auch zahlreiche Unternehmen aus der Medienwirtschaft angehören, vor allem aber mit dem neuen Mainzer Forschungsschwerpunkt Medienkonvergenz, in dem Aktivitäten von Universität und Fachhochschule noch näher zusammengeführt würden, gebe es bereits eine beachtliche Bündelung der Kräfte. Diese solle weiter vorangetrieben werden, so der Chef der Staatskanzlei: "Wir wollen jetzt eine herausragende Plattform schaffen, die sich den Fragen der Zukunftsgestaltung der Medien in Gesellschaft, Hochschule und Wirtschaft widmet. Es sollen sowohl technische als auch organisatorische Synergien entstehen. Wir stärken damit die Qualität des Medienstandorts Mainz und geben ihm durch den exponierten Standort des Medienhauses an einem Haupteingang der Stadt auch ein sichtbares Symbol."

Wissenschaftsministerin Doris Ahnen verwies darauf, dass in den Medienfächern der Universität und der Fachhochschule zusammen deutlich mehr als 4.500 Studierende in einem sehr breiten Fächerspektrum – von der Buch- oder der Theaterwissenschaft über die Publizistik, das Medienrecht oder die akademische Journalistenausbildung bis hin zum Mediendesign und der Medieninformatik – auf Berufe in der Medienwirtschaft vorbereiteten. Dieses Fächerspektrum präge auch das Forschungsprofil der Mainzer Universität entscheidend. Zu den sieben vom Land im Rahmen seiner Forschungsinitiative geförderten Schwerpunkten gehöre auch der Forschungsschwerpunkt "Medienkonvergenz", der darüber zusätzlich mit 1,2 Millionen Euro gefördert werde.

"Das bisherige Medienhaus in der Wallstraße hat dabei bereits erfolgreich Studierende verschiedener Fachrichtungen zusammengeführt. Mittlerweile ist es aber sowohl räumlich als auch von der technischen Ausstattung her an Grenzen gestoßen. Daher sollen die derzeit noch über sieben Standorte verteilten Institutionen der Medienforschung der beiden Hochschulen in einem neuen Medienhaus räumlich zusammengeführt und mit einer zukunftsorientierten Technik ausgestattet werden", kündigt Doris Ahnen an. Standort dafür soll das als Inter I bekannte Hochhaus werden. Wegen des erheblichen Sanierungsbedarfs komme das Gebäude für eine weitere Nutzung als Wohnheim nicht in Frage. Land und Studierendenwerk wollen auf dem Campus daher Ersatz dafür schaffen. Das Gesamtplatzangebot in Studierendenwohnheimen in Mainz solle zumindest gehalten werden.

Das Hochhaus solle entkernt und zu einem Seminar- und Verfügungsgebäude umgebaut werden, unmittelbar daneben solle in einem Anbau ein Technisches Medienzentrum (TMZ) entstehen, so die Ministerin. Dort sollen Produktionsräume mit modernster Technik wie ein Digitales Fernsehstudio, ein Hörfunkstudio, Räume für Lehrredaktionen, ein Multimediasaal, Ton- und Trickfilmstudios, Gelegenheiten zur Erstellung von zwei- und dreidimensionalen Animationen und ein Desktop Publishing-Studio untergebracht werden. Der Landesbetrieb LBB werde nach der erfolgten Grundsatzentscheidung jetzt die Detailplanungen für den mehr als 35 Millionen Euro teuren Um- und Neubau weiter vorantreiben. Angestrebter Baubeginn sei Anfang 2012, die Bauzeit werde auf zwei bis drei Jahre geschätzt.

Der Präsident der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Prof. Dr. Georg Krausch, betont: "Die Medienwissenschaften sind an unserer Universität ein traditioneller Schwerpunkt in Forschung und Lehre, der auf ein bewährtes Netzwerk mit Partnern der umliegenden Medieneinrichtungen zurückgreift. Insofern begrüßen wir die Investition der Landesregierung in ein gemeinsames Medienhaus sehr, da diese Maßnahme die Kooperationen auf diesem Gebiet und damit das bereits ausgeprägte Medienprofil der Stadt Gutenbergs weiter fördert." Die JGU bietet im Bereich der Medien an die 20 Studiengänge und Programme an, deren Bandbreite von der Buchwissenschaft, der Publizistik und Unternehmenskommunikation über Medienrecht und Medienmanagement bis hin zur Film- und Theaterwissenschaft wie auch der Medienkunst unserer Akademie für bildende Künste reicht. Dabei profitieren nach den Worten des Präsidenten die aktuell 4.350 Studierenden der Medienfächer auch von dem enorm starken Forschungspotenzial des neu formierten Forschungsschwerpunkts "Medienkonvergenz".

"Die Fachhochschule Mainz verfügt über herausragende Kompetenzen im Medienbereich und kooperiert bereits seit Langem sehr erfolgreich mit den Medienwissenschaftlern der Uni Mainz – derzeit im sogenannten Medienhaus in der Wallstraße. Diese Zusammenarbeit soll weiter ausgebaut werden und dazu bringt die Fachhochschule ihre für den zweiten Bauabschnitt des FH-Neubaus vorgesehene technische Infrastruktur zusammen mit den entsprechenden Einrichtungen der Uni in das Technische Medienzentrum ein. Das TMZ soll als gemeinsame Betriebseinheit von Universität und Fachhochschule etabliert und unter eine gemeinsame Verwaltung gestellt werden. Im Inter I werden Räumlichkeiten für die Kooperation der Uni- und FH-Studierenden vorgesehen", erklärt der Präsident der Fachhochschule Mainz, Prof. Dr. Gerhard Muth.

Prof. Dr. Stephan Füssel, Sprecher des Forschungsschwerpunkts Medienkonvergenz hält fest: "Das Zusammenwachsen der Medien in der Online-Kommunikation erfordert ein Weiterdenken in interdisziplinärer Kooperation der bislang disziplinär arbeitenden Fächer: Buch, Zeitung, Video und Audio stehen dem Nutzer heute ganz selbstverständlich gleichzeitig zur Verfügung, beispielsweise bei der Kiosk-Funktion eines E-Books. Um die Arbeit der Medienwissenschaftler methodisch und technisch den Anforderungen der Gegenwart und der Zukunft anzupassen und auch den Studierenden adäquate Ausbildungs- und Experimentiermöglichkeiten zu geben, schafft die räumliche Zusammenführung und technische Neuausrichtung im neuen Medienhaus auf dem Campus ein tragfähiges Fundament für zukunftsweisende Lehre und Forschung."

Das hohe Tempo des technologischen Wandels ist nach Meinung von Richard Patzke, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen, die größte Herausforderung für die Medienbranche: "Die Unternehmen stehen vor der Aufgabe, dass im Idealfall bei Einführung einer neuen Technologie die Beschäftigten schon für diese neue Technik ausgebildet sind. Langfristiges Ziel muss die Schaffung einer vorauseilenden Bildungsstruktur sein." Dazu soll in Rheinland-Pfalz ein Netzwerk aus Medienunternehmen, Hochschulen, Berufsschulen, Politik und Kammern das Potenzial der Aus- und Weiterbildung für die Medienbranche ausbauen und am Medienstandort Mainz zukunftsorientiert entwickeln. Ziel ist es, den Bedarf der Medienunternehmen an wettbewerbsgerecht ausgebildetem Personal zu decken, indem rechtzeitig Berufs- und Ausbildungsprofile zukunftsfähig entwickelt werden. Patzke: "Das Medienhaus ist ein Meilenstein auf dem Weg dorthin und kann dazu beitragen, Mainz zum führenden Standort für die Aus- und Weiterbildung von Medienfachkräften zu machen."

Martin Stadelmaier und Doris Ahnen unterstreichen, dass in dem neuen "Medienhaus Mainz" neben verschiedenen Lehr- und Forschungsbereichen der beiden Hochschulen auch Aktivitäten des Offenen Kanals Mainz, des Medienkompetenznetzwerks Mainz/Rheinhessen und der Landesmedienanstalten Platz finden sollen. Bereits bestehende Kooperationen insbesondere mit den beiden großen Sendeanstalten in Mainz – SWR und ZDF – könnten und sollten dort fortgesetzt werden. "Und das Medienhaus soll natürlich auch für andere Unternehmen der Medienwirtschaft aus der Region ein Anlaufpunkt werden", so beide. "Wir erhoffen uns auf akademischer und wissenschaftlicher Ebene von diesem neuen Projekt einen weiteren Qualitätssprung." Insgesamt leisteten die rheinland-pfälzischen Hochschulen bspw. auch in Trier, Koblenz und Kaiserslautern im weiten Bereich der medienbezogenen Ausbildungs- und Berufsfelder einen beachtlichen Beitrag zur Deckung des Fachkräftebedarfs.