Zum 250. Geburtstag: Mainzer Studierende der Orgelklasse spielen Werke von Johann Christian Heinrich Rinck ein

Studierende und Lehrende erschließen vielzählige Orgelkompositionen Rincks / Doppel-CD präsentiert Aufnahmen an der frisch renovierten historischen Dreymann-Orgel in St. Ignaz in der Mainzer Altstadt, darunter zahlreiche Ersteinspielungen

20.11.2020

Als Zeitgenosse von Mozart, Beethoven und Schubert gilt Johann Christian Heinrich Rinck als herausragende Persönlichkeit der Kirchenmusikgeschichte des 19. Jahrhunderts und einer der besten Organisten seiner Zeit. Dennoch ist das Werk des Darmstädter Hoforganisten im 20. Jahrhundert in Vergessenheit geraten und erst in den letzten beiden Jahrzehnten – nicht zuletzt durch die Gründung der Christian-Heinrich-Rinck-Gesellschaft e.V. – wiederentdeckt worden. Zum 250. Geburtstag des Komponisten haben sich Studierende und Lehrende der Hochschule für Musik (HfM) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) nun seinem Werk gewidmet und eine Doppel-CD mit vielen bislang unveröffentlichten Orgelkompositionen vorgelegt. "Zunächst haben wir die Autographe und Manuskripte Rincks studiert, die teilweise noch gar nicht im Druck vorliegen", berichtet Prof. Gerhard Gnann, Leiter der Abteilung Kirchenmusik/Orgel an der HfM, unter dessen Federführung das CD-Projekt in den vergangenen Monaten unter großem Einsatz aller Beteiligten realisiert wurde. Bei der überwiegenden Anzahl der 19 Werke handelt es sich um Ersteinspielungen.

"Die Studierenden haben die Musik Rincks gemeinsam mit Lehrkräften der Hochschule für sich erschlossen und interpretiert. In Einübung der Werke für die Aufnahmen haben sie ihr musikalisches Handwerk geschult, das Rinck auf anspruchsvolle Weise fordert, und es zugleich an einem historischen Instrument in eindrucksvolle Klangerlebnisse umgesetzt – und so ihr eigenes Orgelspiel professionalisiert", ergänzt Gnann. "Damit haben wir auch die pädagogische Absicht Rincks verwirklicht, der seinerzeit Orgelschulen verfasste, die national und international in zahlreichen Auflagen verbreitet wurden."

Die Idee zu diesem CD-Projekt entstand im Zusammenhang mit der kürzlich abgeschlossenen Restaurierung der historischen Dreymann-Orgel in der Pfarrkirche St. Ignaz in der Mainzer Altstadt. "Diese Orgel aus dem Jahr 1837 des Mainzer Orgelbauers Bernhard Dreymann ist nicht nur optisch, sondern auch klanglich ein Juwel – und ein Highlight in der deutschen Orgellandschaft", betont Prof. Gerhard Gnann. Das Besondere: Der Komponist und Orgelsachverständige Johann Christian Heinrich Rinck selbst hatte die Orgel zu Lebzeiten im Auftrag des Großherzogs von Hessen-Darmstadt begutachtet und sie als Musterbeispiel für zeitgenössischen Orgelbau in seiner im Jahr 1839 veröffentlichten Orgelschule abgebildet. Um der kompositorischen Vielfalt Rincks und dem reichen Klangfarbenspektrum der Orgel zu entsprechen, wurden für die Doppel-CD möglichst viele Facetten seiner Kompositionskunst ausgewählt: von Choralvariationen im eher traditionell gehaltenen Stil über Orgelkonzerte mit Flötensoli bis hin zu Variationen über ein bekanntes Kinderlied. Rinck verstand es, die geistliche Orgelmusik geschickt aus der Krise zu manövrieren, die auf Johann Sebastian Bachs Tod gefolgt war. "Seine Musik steht mit einem Bein in der barocken Tradition und greift Bachs polyphone Sprache auf, mit dem anderen Bein befindet er sich in der Spätklassik an der Schwelle zur Romantik. Seine Orgelwerke sind durchweg von vornehmer Schlichtheit und tadellosem Handwerk", so Gnann.

Die Doppel-CD ist kürzlich in Zusammenarbeit mit dem renommierten Label Coviello Classics erschienen und derzeit über die Abteilung Kirchenmusik/Orgel der Hochschule für Musik zu beziehen. Ab Januar 2021 wird die CD auch international vertrieben. Maßgeblich beteiligt an diesem CD-Projekt war die Christian-Heinrich-Rinck Gesellschaft e.V. Darmstadt, die das Projekt finanziell sowie als wichtiger Ansprechpartner im Hinblick auf die musikalischen Quellen unterstützt hat.

An der Hochschule für Musik werden seit mehr als 50 Jahren hauptberufliche Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker ausgebildet. An der HfM auf dem Gutenberg-Campus stehen den Studierenden verschiedene Orgeln für Konzerte und den Unterricht zur Verfügung, so etwa die stilgetreue Kopie einer Spanischen Orgel des 16. bis 18. Jahrhunderts und die Goll-Orgel.