Studienangebot stark nachgefragt: Johannes Gutenberg-Universität Mainz rechnet erstmals mit 36.000 Studierenden

Studierendenzahlen im Wintersemester 2011/12 auf Rekordniveau / Über 36.000 Studierende eingeschrieben / Massive Investitionen in zusätzliches Lehrpersonal und in die Raumausstattung

19.10.2011

Die Studierendenzahlen an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) erreichen Rekordniveau: Mit voraussichtlich mehr als 36.000 Studierenden verzeichnet die JGU im Wintersemester 2011/12 den höchsten Stand von Einschreibungen in ihrer Geschichte. Zum Vergleich: Im vergangenen Wintersemester waren 35.847 Studierende eingeschrieben. Die Zahl der Studienanfängerinnen und Studienanfänger wird dabei das Vorjahresniveau (5.886) mindestens erreichen, vielleicht sogar nochmals übersteigen; das Einschreibeverfahren ist aufgrund der sehr hohen Bewerberzahlen noch nicht vollständig abgeschlossen, sondern wird sich noch über die nächsten beiden Wochen ziehen. "Selbstverständlich freut uns dieses starke Interesse am Studienangebot unserer Universität sehr", erklärt der Präsident der JGU, Prof. Dr. Georg Krausch, anlässlich der Erstsemesterbegrüßung, "diese Entwicklung haben wir erwartet und daher frühzeitig geeignete Maßnahmen in die Wege geleitet, um auch bei höheren Studierendenzahlen qualitativ gute Rahmenbedingungen für Studium und Lehre gewährleisten zu können. Beispielsweise haben wir gerade in nachfrageintensiven Fächern aus Mitteln des Hochschulpakts in Personalressourcen investiert. Die Universität kann auf diese Weise die Zahl der Zulassungsbeschränkungen weiterhin in engen Grenzen zu halten."

Wenn auch die Einschreibungen für das Wintersemester noch bis Ende Oktober laufen: Es zeichnet sich schon jetzt ab, dass die Studierendenzahlen an der JGU gegenüber dem Vorjahr weiter gestiegen sind. Derzeit sind bereits 35.392 Studierende eingeschrieben; zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr waren es 300 Studierende weniger (35.062). Daher rechnet die Universität im Wintersemester 2011/12 mit einer Gesamtstudierendenzahl von über 36.000. Hiervon werden knapp 2.000 Studierende in einem der insgesamt 93 angebotenen weiterführenden Masterstudiengänge eingeschrieben sein.

Im Vergleich zum Wintersemester 2010/11 deutlich nach oben gegangen ist auch die Zahl derjenigen Studierenden, die erstmals ein Studium an einer deutschen Hochschule beginnen. Bis zum Beginn der Einführungswoche am 17. Oktober 2011 waren 3.676 Studierende im 1. Hochschulsemester eingeschrieben. Ihre Zahl wird sich voraussichtlich noch leicht erhöhen und damit knapp das Vorjahresniveau erreichen, das mit 4.380 einen Spitzenwert für die JGU darstellte. Damit stabilisiert sich diese Zahl etwa 25 Prozent über der jahrelang üblichen Zahl von rund 3.200 Anfängerinnen und Anfängern. "Mit dieser Entwicklung liegt die Johannes Gutenberg-Universität im bundesweiten Trend", erläutert der Präsident.

Besonders begehrt sind Studienplätze in den zulassungsbeschränkten Fächern wie Wirtschaftswissenschaften, Psychologie, Biologie, Rechtswissenschaft, Erziehungswissenschaft, Sozialkunde, Deutsch/Germanistik, Soziologie, Publizistik und Filmwissenschaft. Gleiches gilt für Medizin und Zahnmedizin, für die die Studienplätze durch die "Stiftung für Hochschulzulassung", der Nachfolgeorganisation der ehemaligen ZVS, vergeben werden. Bei den zulassungsfreien Studiengängen ist nach wie vor die Nachfrage in Geschichte (rund 600 Neueinschreibungen) oder Philosophie (über 350 Neueinschreibungen) sehr hoch; aber auch in Mathematik werden rund 250 Studierende ein Studium im kommenden Wintersemester 2011/12 beginnen.

Zahl der Bewerbungen insgesamt um mehr als ein Viertel gestiegen

Insgesamt erreichten die JGU knapp 28.000 Bewerbungen für das 1. Fachsemester in einem der 62 zulassungsbeschränkten und 142 zulassungsfreien Studiengänge; vor einem Jahr waren es rund 6.000 Bewerbungen weniger – und das war bereits Rekord. Zum Vergleich: Vor 10 Jahren (2001) erreichten die JGU 5.048 Bewerbungen, also weniger als ein Fünftel der aktuellen Zahl. "Dieser extreme Anstieg bei der Anzahl der Bewerbungen gerade in den letzten Jahren, der sich an nahezu allen Hochschulen in Deutschland zeigt, ist einerseits darauf zurückzuführen, dass die Studierenden sich nach wie vor an möglichst vielen Hochschulen gleichzeitig bewerben", erklärt Dr. Bernhard Einig, Leiter der Abteilung Studium und Lehre der JGU, "andererseits zieht die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen inzwischen flächendeckend ein doppltes Bewerbungsverfahren nach sich, was die Zahl der Bewerbungen und damit die Arbeiten für die Studierendensekretariate zusätzlich erhöht."

Entsprechend bezogen sich 23.650 der 28.000 Bewerbungen an der JGU auf sog. "grundständige Studiengänge", also Studiengänge, mit denen ein 1. Hochschulabschluss erreicht wird; im Jahr zuvor waren es 22.600 Bewerbungen gewesen (+ 5 Prozent). 4.256 Bewerbungen gingen 2011 für einen Masterstudiengang ein (2010: 2.000 Bewerbungen).

Wenn sich so viele auf einen der zulassungsbeschränkten Studienplätze bewerben, bedeutet das aber noch lange nicht, dass alle Zugelassenen auch den Studienplatz in Mainz annehmen. "Studierende bewerben sich heute in der Regel an möglichst vielen Hochschulen gleichzeitig, um ihre Chancen auf einen Studienplatz zu optimieren", erläutert Prof. Dr. Mechthild Dreyer, Vizepräsidentin für Studium und Lehre der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. "Die meisten erhalten dann mehrere Zulassungen von unterschiedlichen Hochschulen und können sich aussuchen, wo sie ihr Studium beginnen." Für die Hochschulen ist das insofern nachteilig, als diese vergebenen Studienplätze während des Verfahrens wieder frei werden und neu vergeben werden müssen. "Wir müssen im Schnitt dreimal so viele Bewerberinnen und Bewerber zulassen, wie wir Plätze haben, um alle Studienplätze zu besetzen. Dies kostet nicht nur sehr viel Zeit, sondern führt auch dazu, dass sich die Zulassungsverfahren stellenweise bis in den Anfang der Vorlesungszeit erstrecken", erläutert Einig und bedauert, dass es nicht gelungen ist, das angekündigte "Dialogorientierte Serviceverfahren" (DoSV), ein zentrales bundesweites Zulassungsverfahren der Stiftung für Hochschulzulassung, in Gang zu setzen.

Zahl an studierwilligen Schülerinnen und Schüler steigt

Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz führt den neuerlichen Anstieg der Bewerberzahlen in den grundständigen Studiengängen primär auf die seit Jahren prognostizierte höhere Zahl an studierwilligen Schülerinnen und Schülern zurück. Auch die Aussetzung der Wehrpflicht trägt sicherlich zur Erhöhung der Bewerberzahlen bei. Weniger stark hingegen dürften sich für die Mainzer Hochschule die aus Niedersachsen und Bayern resultierenden doppelten Abiturjahrgänge auswirken. "Hier erwarten wir für das kommende und das übernächste Jahr doch deutlichere Effekte, wenn sich in Baden-Württemberg und vor allem in Hessen die G 8-Reform auswirkt", so Einig.

Trotz der starken Nachfrage sieht sich JGU gut vorbereitet

"Sicherlich wird diese nochmalige Steigerung der Bewerber- und Studierendenzahlen der Hochschule massive Anstrengungen abverlangen, um den neuen Mitgliedern der Universität ein Studium unter angemessenen Rahmenbedingungen bieten zu können", erklärt der Präsident, "in Absprache mit den Fächern haben wir daher aus Mitteln des Hochschulpakts deutlich in die Personalressourcen investiert." So sind in Fächern wie bspw. der Publizistik, der Psychologie oder der Film- und der Theaterwissenschaft, in denen das Verhältnis zwischen Bewerbungen und zur Verfügung stehenden Studienplätzen besonders ungünstig ist, nochmals zusätzliche Personalressourcen zur Verfügung gestellt worden. Gleiches gilt für das noch zulassungsfreie Fach Geschichte, das wieder eine außerordentlich hohe Nachfrage registriert und für das auf diese Weise erneut auf einen NC verzichtet werden konnte. "Insgesamt hat die Universität damit in diesem Jahr – zusätzlich zu den bereits zur Verfügung gestellten 74 Stellen – den Personalbestand in den Fächern nochmals um fast 50 Stellen deutlich erhöht", so der Präsident, "mit der Bereitstellung dieser zusätzlichen finanziellen Mitteln helfen der Bund und das Land der Universität massiv und effektiv bei der Bewältigung dieser Herausforderung."

Zudem hat die Universität die zurückliegenden Monate intensiv genutzt, die Raumvergabe zu optimieren. Während Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zumindest für eine Übergangszeit erforderlichenfalls auch Büroräume außerhalb des Campus beziehen müssen, werden sämtliche Lehrveranstaltungen nach Möglichkeit auf dem Universitätsgelände durchgeführt, um den Studierenden zusätzliche Wege und damit Zeitverluste zu ersparen. "Nach derzeitigem Stand sollte in diesem Wintersemester für alle Lehrveranstaltungen auf dem Campus der passende Raum zur Verfügung stehen", erklärt Dreyer. Allerdings seien jetzt sämtliche Reserven vollständig ausgeschöpft. Wenn sich bspw. mehr Studierende für eine Lehrveranstaltung interessieren, als das derzeit absehbar ist, sei eine Verlagerung in umliegende Gebäude notwendig. Lehrende und Studierende würden allerdings sehr konstruktiv mit der Sondersituation in den beiden kommenden Semestern umgehen, dankt die Vizepräsidentin und sieht bereits eine erste Entspannung im Wintersemester 2012/13: "Dann ist der Neubau der Sozialwissenschaften bezugsfertig und damit stehen weitere Veranstaltungsflächen zur Verfügung."