Sofja Kovalevskaja-Preisträger William Shepherd baut in Mainz eine Arbeitsgruppe in der Teilchenphysik auf

Hoch dotierter Forschungspreis der Alexander von Humboldt-Stiftung für wissenschaftliche Arbeit zur Erforschung der Dunklen Materie

01.08.2016

Der US-amerikanische Elementarteilchenphysiker Dr. William Shepherd ist einer von insgesamt sechs Preisträgerinnen und Preisträgern des Sofja Kovalevskaja-Preises 2016 der Alexander von Humboldt-Stiftung und wird damit an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) eine Nachwuchsarbeitsgruppe aufbauen, die Modelle, Methoden und Instrumente für die Forschung auf der Suche nach der Dunklen Materie weiterentwickelt. Shepherd hat im Jahr 2011 an der University of California, Irvine, promoviert und war zuletzt an der Niels Bohr International Academy der University of Copenhagen in Dänemark tätig. An der JGU verstärkt er die wissenschaftliche Arbeitsgruppe THEP – Theoretische Hochenergiephysik um Prof. Dr. Matthias Neubert. Die Alexander von Humboldt-Stiftung unterstützt das Forschungsvorhaben von Dr. William Shepherd mit bis zu 1,65 Millionen Euro für die kommenden fünf Jahre.

Der Sofja Kovalevskaja-Preis wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert und von der Alexander von Humboldt-Stiftung vergeben. Er ist einer der höchst dotierten deutschen Wissenschaftspreise und ermöglicht den ausgezeichneten Forscherinnen und Forschern wissenschaftliche Arbeit zu einzigartigen Konditionen: Fünf Jahre lang können sie – unabhängig und ohne administrative Zwänge – ein eigenes Forschungsprojekt an einem Institut ihrer Wahl in Deutschland durchführen und eine eigene Arbeitsgruppe aufbauen. Ausgezeichnet werden die wissenschaftlichen Spitzenleistungen von besonders vielversprechenden Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern aus dem Ausland.

Auf der Suche nach Dunkler Materie

Die Dunkle Materie gehört zu den großen Geheimnissen des Universums. Laborexperimente konnten sie nicht nachweisen, auch Detektoren sprechen nicht auf sie an. Bemerkbar macht sie sich indirekt, etwa dadurch, dass sie die Bildung von Strukturen im frühen Universum beeinflusst hat. Forscher schätzen, dass es mehr als fünfmal so viel Dunkle Materie gibt im Vergleich mit der uns vertrauten. Am Teilchenbeschleuniger im CERN nahe Genf, dem Large Hadron Collider (LHC), laufen Experimente, die neue Teilchen entdecken und der Dunklen Materie auf die Spur kommen sollen. Teilchenphysiker Dr. William Shepherd entwickelt effiziente Methoden, um die hierbei massenhaft anfallenden Daten zu analysieren. Er entwickelt außerdem theoretische Modelle, die es ermöglichen, die Ergebnisse aus verschiedensten experimentellen Methoden und Quellen zusammenzuführen und ihre inneren Zusammenhänge zu entschlüsseln.

An der Johannes Gutenberg-Universität Mainz forscht Prof. Dr. Matthias Neubert als wissenschaftlicher Gastgeber seit vielen Jahren intensiv im Bereich der theoretischen Physik zu fundamentalen Wechselwirkungen und den Eigenschaften von Elementarteilchen. Neubert selbst hat im Jahr 2011 einen ERC Advanced Grant über 2,1 Millionen Euro erhalten, um fundamentale Fragen der Physik zum Ursprung der elektroschwachen Symmetriebrechung und der als Flavour bezeichneten Eigenschaft von Elementarteilchen zu erforschen mit dem Ziel, zu einem grundlegenden Verständnis der beobachteten Asymmetrie zwischen Materie und Antimaterie im Universum beizutragen. "Die Forschung von Dr. William Shepherd bietet einen neuartigen Ansatz für die Zusammenführung der weltweit durchgeführten Suchen nach Dunkler Materie zu einem kohärenten Bild. Dabei rückt er die am LHC am CERN gewonnen Daten ins Zentrum seiner Arbeiten, vernetzt sie jedoch mit Beobachtungen bei sehr viel niedrigeren Energien. In dieser Kombination könnte der Schlüssel zur Erforschung der Dunklen Materie liegen", betont Neubert.

Die Arbeit von Sofja Kovalevskaja-Preisträger Dr. William Shepherd ist zudem in den Mainzer Exzellenzcluster "Precision Physics, Fundamental Interactions and Structure of Matter" (PRISMA) integriert, der in der aktuellen Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder mit rund 35 Millionen Euro gefördert wird.