Bundesverdienstorden für Menahem Pressler

Universitätspräsident gratuliert Ehrenbürger der Johannes Gutenberg-Universität

22.11.2005

Prof. Dr. Wolfgang Böhmer, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, hat die beeindruckende Lebensleistung des international anerkannten Pianisten Menahem Pressler gewürdigt und ihm das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreicht. Bundespräsident Horst Köhler hatte dem Pianisten, der aus Magdeburg stammt, vor den Nationalsozialisten fliehen musste und seit 1955 in den USA lebt, die Auszeichnung verliehen. Der Präsident der Johannes Gutenberg-Universität, Prof. Dr. Jörg Michaelis, gratulierte dem Pianisten, Musikpädagogen und Gründer des "Beaux Arts Trio": "Diese Auszeichnung würdigt die herausragende Arbeit unseres Ehrenbürgers, der sich seit 1987 in der Ausbildung von Studierenden unserer Hochschule für Musik engagiert. Mit der regelmäßigen Durchführung seiner weltweit anerkannten und auf äußerst hohem Niveau stattfindenden Kammermusikkurse hat er zum Renommee und internationalen Ansehen der Hochschule für Musik und der gesamten Universität beigetragen."

Menahem Pressler war 1994 zum 30. Ehrenbürger der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) ernannt worden, zu denen auch Carl Zuckmayer, Anna Seghers und Hanns Dieter Hüsch zählen.

Im Rahmen der Feierstunde im Magdeburger Palais am Fürstenwall sagte Böhmer, dass Menahem Pressler deutsche klassische Musik weltweit bekannt gemacht habe. Trotz seiner Vertreibung aus Deutschland habe sich der Musiker stets der großen Tradition mitteleuropäischer Pianistik und den Werken der deutschen Klassik und Romantik verpflichtet gefühlt. Deutschland könne stolz sein, einen musikalischen Botschafter zu haben, der das Publikum auf der ganzen Welt für europäisches Kulturgut begeistere.

Der Ministerpräsident hob außerdem die große Versöhnungsbereitschaft Presslers mit seiner deutschen Heimat hervor. Es sei keine Selbstverständlichkeit, dass ein Mensch, der den größten Teil seiner Angehörigen durch die Verbrechen des Holocaust verloren habe, seine Verbundenheit zu Deutschland und seiner Heimatstadt Magdeburg stets nach außen dokumentiere.

Menahem Pressler wurde 1923 in Magdeburg geboren und floh 1938 vor den Nationalsozialisten nach Palästina. Seine internationale Karriere als Pianist begann bereits 1940, als er in San Francisco den Ersten Preis beim Internationalen Debussy-Klavierwettbewerb gewann. 1955 gründete er das renommierte Beaux Arts Trio und gab sein Debut als Kammermusiker. Im selben Jahr nahm er seine Lehrtätigkeit an der Musikhochschule von Indiana in Bloomington auf, wo er seitdem auch lebt. Pressler hat neben seinen mehr als 50 Schallplattenaufnahmen mit dem Beaux Art Trio mehr als 30 Soloaufnahmen mit Werken von Bach bis Ben Haim eingespielt. Seine Heimatstadt Magdeburg hat als biographische Notiz in seinen Lebensbeschreibungen, Platten- und CD-Einführungen sowie Konzertprogrammen ihren festen Platz.