Umgebungsfarbe hat keinen Einfluss auf geistige Leistungsfähigkeit

Konzentrierte Betrachtung von Farben kann allerdings emotionalen Zustand verändern

03.11.2017

Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) haben herausgefunden, dass die menschliche Leistungsfähigkeit in kognitiven Tests nicht durch die Farbe der Umgebung beeinflusst wird. Wie die Mainzer Forscher im Fachjournal Color Research & Application berichten, hatten sie 170 Studierende in unterschiedlich gestrichenen Kabinen Intelligenz- und Gedächtnistests machen lassen. Für die Kabinen hatten sie die von den Herstellern sogenannten Farben "Energy Red", "Cool Down Pink" und "Relaxing Blue" sowie zur Kontrolle ein Weiß verwendet. Zusätzlich zu den Tests sollten die Studierenden jeweils Angaben zu ihrem emotionalen Zustand machen. Im Ergebnis konnten die Wissenschaftler keine nennenswerten Unterschiede zwischen den Tests in den unterschiedlich gefärbten Kabinen feststellen, weder bezüglich der eigentlichen Ergebnisse noch der Angaben zum emotionalen Zustand.

"Unsere Studie fand keinen allgemeinen leistungssteigernden oder -mindernden Effekt der unterschiedlichen Wandfarben", so Christoph Freiherr von Castell und Dr. Daniel Oberfeld-Twistel vom Psychologischen Institut der JGU, zwei der Autoren der Studie. "Auch eine Beeinflussung des emotionalen Zustands konnten wir nicht entdecken." Allerdings würden die dreißigminütigen Tests keine sicheren Schlüsse auf eventuelle langfristige Effekte von Umgebungsfarben, zum Beispiel in Klassenräumen, zulassen.

Oberfeld-Twistel weist darauf hin, dass in einem vorherigen Versuch gezeigt werden konnte, dass Farben sehr wohl den emotionalen Zustand ihrer Betrachter beeinflussen können. Wie er gemeinsam mit Koautorin Lisa Wilms in einem Aufsatz in Psychological Research erläutert, hatten sie 62 Personen jeweils 30 unterschiedliche Farben auf einem LED-Bildschirm betrachten lassen. Auch hierbei sollten Angaben zum emotionalen Zustand gemacht werden, außerdem wurden die Leitfähigkeit der Haut und der Herzschlag der Probanden gemessen. Dadurch zeigte sich, dass deren Erregung mit der Sättigung und Helligkeit der Farben sowie von blauen und grünen zu roten Farbtönen zunahm. "Fokussieren sich die Probanden auf eine Farbe, ist die Beeinflussung ihres emotionalen Zustands deutlich messbar", erklärt Oberfeld-Twistel. "Konzentrieren sie sich jedoch auf eine Aufgabe, verschwindet offenbar dieser Effekt."