Neurovaskuläres Zentrum am Universitätsklinikum Mainz gegründet

Mit vereinten Kräften gegen Gefäßerkrankungen des Gehirns

12.11.2008

Die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten bei der Behandlung von Gefäßerkrankungen des Gehirns sind in den letzten Jahren derart komplex geworden, dass es einer engen interdisziplinären Zusammenarbeit bedarf, um eine optimale Versorgung der Patienten zu gewährleisten. Um den schon jetzt erreichten hohen Standard in Diagnostik, Therapie und Grundlagenforschung für die Patientenversorgung weiterhin zu halten und noch weiter auszubauen, haben sich die Kliniken für Neurologie und Neurochirurgie sowie die Institute für Neuroradiologie und Neurochirurgische Pathophysiologie in einem neu gegründeten Neurovaskulären Zentrum zusammengeschlossen. Die enge und strukturierte Zusammenarbeit innerhalb dieses Zentrums wird nicht nur der Krankenversorgung, sondern auch der klinischen Forschung, der studentischen Lehre und der ärztlichen Fortbildung zugutekommen.

Das Zentrum wird sich vorerst auf die Behandlung von Gefäßmissbildungen sowie Gefäßverengungen und -verschlüssen im Gehirn konzentrieren. Dazu gehört etwa der Schlaganfall, der entweder durch ein Gerinnsel oder durch eine akute Hirnblutung verursacht wird. Beide Ursachen lassen sich mit modernen bildgebenden Verfahren wie der Computertomografie oder der Kernspintomografie unterscheiden, die das Institut für Neuroradiolgie vorhält. Betreut werden die Schlaganfallpatienten dann auf einer Spezialstation der Klinik für Neurologie, der sogenannten Stroke Unit. Zu den klassischen Gefäßmissbildungen im Gehirn zählen Aneurysmen oder Angiome, die im Allgemeinen zusammen von Neurochirurgie und Neuroradiologie betreut werden: Im ersten Fall handelt es sich um beerenförmige Aussackungen in einem Gefäß, wodurch dieses sehr dünnwandig wird und aufreißen kann. Angiome sind angeborene Fehlbildungen, bei denen eine direkte Anbindung zwischen Arterien und Venen besteht. Dabei können durchaus mehrere Blutgefäße betroffen sein, sodass ein Angiom auch als Blutgefäßknäuel veranschaulicht werden kann.

"Bei der Behandlung und Erforschung aller neurovaskulären Krankheitsbilder treten jedoch noch weit mehr Schnittmengen zwischen den einzelnen Disziplinen auf", betont Prof. Dr. Peter Stoeter, Sprecher des Neurovaskulären Zentrums und Leiter des Instituts für Neuroradiologie. "Mit unserem Neurovaskulären Zentrum wollen wir die bereits gelebte interdisziplinäre Zusammenarbeit unterstreichen und weiter optimieren und strukturieren."

Der Ärztliche Direktor der Universitätsmedizin Mainz, Prof. Dr. Norbert Pfeiffer, begrüßt die Einrichtung des Neurovaskulären Zentrums: "Ein solches Zentrum ist auch ein Signal für unsere Patienten und klinischen Kooperationspartner. Es verdeutlicht, dass die Experten unterschiedlicher medizinischer Fachrichtungen im Sinne einer optimalen Diagnose und Behandlung von Patienten mit hochkomplexen Erkrankungen eng zusammenarbeiten und gemeinsam entsprechende Versorgungskonzepte etablieren. Gemäß dem Auftrag einer Universitätsklinik, nach dem Krankenversorgung, Forschung und Lehre untrennbar miteinander verbunden sind, kommt auch der Forschung durch Einbindung des Instituts für Neurochirurgische Pathophysiologie eine angemessene Rolle zu."