Impfstoff auf Basis eines tumorspezifischen synthetischen Eiweißmoleküls soll Tumorzellen erkennen und zerstören

LICC-Studie unter Federführung der Universitätsmedizin Mainz gestartet

11.04.2012

Unter Federführung der Universitätsmedizin Mainz ist eine neue Studie zur Erprobung einer Immuntherapie gegen Darmkrebs gestartet. Hierbei kommt ein moderner Tumorimpfstoff, basierend auf einem tumorspezifischen synthetischen Eiweißmolekül, zum Einsatz. Mittels dieses Wirkstoffs soll das Immunsystem der Patienten lernen, Tumorzellen zu erkennen und zu zerstören. Die Erprobung findet bei Darmkrebs-Patienten statt, denen Metastasen aus der Leber operativ entfernt wurden. Ein Ziel der sog. LICC-Studie ist es, in diesen Patienten die Häufigkeit von Tumor-Rezidiven zu verringern und somit das Überleben und die Heilungschance zu erhöhen. Insgesamt sollen 160 Patienten an 20 europäischen Zentren in die Studie eingeschlossen werden. Damit handelt es sich um die größte Vakzinations-Studie, die bisher an Darmkrebspatienten durchgeführt wurde.

Im Jahr 2010 erkrankten 70.000 Menschen in Deutschland an Darmkrebs. Die Hälfte aller Patienten hatte zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Metastasen in den Lymphknoten oder in Organen wie Leber und Lunge entwickelt. Bei einem Teil der Patienten zeigen sich während der Erkrankung Metastasen, die auf die Leber begrenzt sind. Je nach Verteilung in der Leber können diese direkt operiert oder nach chemotherapeutischer Vorbehandlung im Verlauf operabel werden.

Aufgrund verbesserter chirurgischer Techniken können heutzutage deutlich mehr Lebermetastasen operativ entfernt werden als noch vor 30 Jahren. Jede komplette operative Entfernung von Lebermetastasen birgt eine Chance von 30-40% auf Heilung. Dennoch besteht eine hohe Gefahr von 60% des Wiederauftretens von Metastasen, also der Bildung eines sog. Rezidivs. Dies geschieht im Durchschnitt innerhalb von 18-23 Monaten nach operativer Entfernung. "Diese Rückfallgefahr zu reduzieren und ein längeres krankheitsfreies Leben zu gewährleisten ist ein Ziel der LICC-Studie", sagt PD Dr. Christoph Schimanski, Leiter der klinischen Prüfung und Oberarzt an der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz. "Hierzu prüfen wir eine neue Anti-Tumorzellimpfung mit dem Tumor-Impfstoff L-BLP25, die das Immunsystem gegen verstreute Tumorzellen, sog. Mikrometastasen, richten kann, die auch nach einer Operation noch übrig geblieben sein können."

Nach operativer Entfernung von Lebermetastasen wurde bisher versucht, die Rückfallgefahr durch den Einsatz einer mehrmonatigen Chemotherapie zu senken - leider mit nur geringem Erfolg. Hier greift die LICC-Studie mit einem innovativen Konzept: Statt einer Chemotherapie wird nunmehr im Rahmen dieser Studie eine Immuntherapie eingesetzt, die das Immunsystem trainiert, gegen den Krebs anzukämpfen.

In einer Studie mit Lungenkrebspatienten in lokal begrenztem Stadium wurde gezeigt, dass sich die Überlebensdauer von Patienten, die ebenfalls mit der Impfsubstanz L-BLP25 geimpft wurden, gegenüber Patienten ohne Impfung mehr als verdoppelte. "Das Zielmolekül des verwendeten Impfstoffs konnte auch in bösartigen Darmtumoren und Lebermetastasen sehr häufig nachgewiesen werden", erläutert Schimanski. "Daher hoffen wir auf einen ähnliche klinische Wirksamkeit auch bei Darmkrebspatienten."