Doppelter Erfolg: Johannes Gutenberg-Universität Mainz erhält rund 500.000 Euro zur Förderung innovativer Hochschullehre

Förderzusagen in der Linie "Freiraum 2022" der Stiftung Innovation in der Hochschullehre sowie in der Förderlinie "Raumlabore" von Stifterverband und Dieter Schwarz Stiftung

29.06.2022

Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) hat sich erfolgreich in zwei Wettbewerben zur Förderung innovativer Hochschullehre behauptet: Das Projekt "Fachdidaktische Unterrichtsplanung – Fachspezifisch und fachübergreifend" wird in der Förderlinie "Freiraum 2022" der Bund-Länder-Stiftung Innovation in der Hochschullehre (StiL) mit 420.000 Euro gefördert, im Rahmen der Förderinitiative "Raumlabore" des Stifterverbands und der Dieter Schwarz Stiftung wird die Einrichtung eines "Ancient Sciences Innovation Lab" (ASIL) an der JGU mit 100.000 Euro unterstützt.

"Dieser doppelte Erfolg bestätigt ein weiteres Mal die Vorreiterrolle der JGU bei der Entwicklung und Implementierung zukunftsfähiger Strukturen und Inhalte im Bereich der Hochschullehre", erklärt der Präsident der JGU, Prof. Dr. Georg Krausch. "Beide Projekte zeigen, dass moderne Lehre am besten in direkter Einbeziehung und im gleichwertigen Austausch mit der Zielgruppe – den Studierenden – gestaltet wird."

Fachdidaktische Unterrichtsplanung – fachspezifisch UND fachübergreifend

Die Programmlinie "Freiraum 2022" der Bund-Länder-Stiftung Innovation in der Hochschullehre fördert die Entwicklung und Erprobung neuer, innovativer Lehr- und Lernsettings. Hier konnte sich in der aktuellen Ausschreibungsrunde das interdisziplinäre JGU-Projekt "FaPlan: Fachdidaktische Unterrichtsplanung – fachspezifisch UND fachübergreifend" von Prof. Dr. Anja Müller (Deutsches Institut), Dr. Marion Plien (Geographisches Institut) und Prof. Dr. Kerstin Pohl (Institut für Politikwissenschaft) durchsetzen. Dessen Umsetzung wird in den kommenden 25 Monaten mit 420.000 Euro gefördert wird. Die Förderung beginnt zum 1. September 2022.

Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz zählt aktuell rund 5.000 Lehramtsstudierende in 22 verschiedenen Unterrichtsfächern, wobei die Fachdidaktiken dieser Fächer eigenständige Wissenschaftsdisziplinen mit jeweils spezifischen Fachkulturen in Forschung und Lehre darstellen. So wechseln Lehramtsstudierende täglich zwischen Fächern, Instituten, Fachbereichen und Fachkulturen hin und her. Zentrales Anliegen des FaPlan-Projekts ist es daher, die einzelnen Unterrichtsfächer im Hinblick auf die übergreifend notwendigen Handlungskompetenzen miteinander in Verbindung und Austausch zu bringen.

"Ziel des Projekts ist die Konzeption und Erprobung fachübergreifender, multimedialer, flexibel einsetzbarer Lernmodule, die die angehenden Lehrkräfte bereits im Studium zeitgemäß, bedarfsgerecht und interessenorientiert auf die Bewältigung der komplexen Anforderungen im Beruf vorbereiten. Denn gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer sind wesentliche Voraussetzung für den Erfolg unseres Bildungssystems und damit von hoher Relevanz für unsere Gesellschaft", betont JGU-Präsident Prof. Dr. Georg Krausch.

Im Rahmen des Projekts wird Studierenden ermöglicht, fachspezifische didaktische Kompetenzen zu vertiefen und eine fachübergreifende didaktische Perspektive aufzubauen. Sie entwickeln so ein Konzept unterrichtlicher Praxis, auf dessen Grundlage Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Fächer deutlich und Kooperationen in der Praxis erleichtert werden. Im Projekt arbeiten zunächst die Didaktik der politischen Bildung, die Geographie- und die Deutschdidaktik zusammen. Die multimedial gestalteten Lernmodule enthalten Erklärvideos, Podcasts, Interviews mit Lehrkräften, Fachtexte, Literaturtipps, Übungs- und Reflexionsaufgaben. Bei der Erstellung digitaler Materialien wird das Projekt vom Zentrum für audiovisuelle Produktion (ZAP) der JGU unterstützt.

"Das Besondere: Studierende sind nicht nur die primäre Zielgruppe des Projekts, da ihre Lernprozesse im Fokus stehen; sie gestalten die Lernmodule auch von Anfang an mit, indem sie ihre Bedürfnisse reflektieren und formulieren und darauf aufbauend Inhalte erarbeiten", so Krausch. "Die fertigen Einheiten können dann sowohl von nachfolgenden Studierendengenerationen des eigenen Faches genutzt sowie von weiteren Fachdidaktiken übernommen und um die eigene Fachperspektive erweitert werden. Zudem stellen wir die Erfahrungen und Ergebnisse des Projekts gern auch anderen Hochschulen zur Verfügung."

Ancient Sciences Innovation Lab

Die Förderinitiative "Raumlabore" ist Teil des Programms "Lernarchitekturen" des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft e.V. und unterstützt – gemeinsam mit der Dieter Schwarz Stiftung – Hochschulen in der Entwicklung zukunftsorientierter Lernräume für zukunftsorientierte Bildung. Als eine von insgesamt fünf Hochschulen konnte die JGU hier mit dem Antrag für ein "Ancient Sciences Innovation Lab", kurz ASIL, überzeugen. Dessen Einrichtung wird in den kommenden 18 Monaten mit 100.000 Euro sowie mit der Aufnahme in ein begleitendes Netzwerk zum Erfahrungsaustausch gefördert. Die Förderung beginnt zum 1. Juli 2022.

"Moderne Lehr-/Lernformate unterliegen seit Jahren einem grundlegenden Wandel – von wissensbasierter, oft frontaler Lehre, die in bestimmten Vermittlungskontexten nach wie vor ihre Berechtigung hat, hin zu lern- und kompetenzorientierter Lehre, die die Studierenden und ihre individuellen Kompetenzen und Bedarfe in den Mittelpunkt stellt", so Prof. Dr. Stephan Jolie, Vizepräsident für Studium und Lehre an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. "Damit gehen auch neue Lernsettings einher, die individualisiertes wie kollaboratives, projektbasiertes, forschendes und digitales Lernen fördern. Genau ein solches innovatives Raumkonzept will die JGU mit dem interdisziplinären Vorhaben des Ancient Sciences Innovation Lab erproben und testen."

Das Institut für Altertumswissenschaften der JGU gehört mit seinen sechs Arbeitsbereichen, zahlreichen Forschungsprojekten sowie nationalen und internationalen Kollaborationen zu den größten Zusammenschlüssen seiner Art in Deutschland. Ausgehend von der Grundidee der gemeinsamen Nutzung derselben digitalen Ressourcen und Methoden – etwa zur Erstellung von 3D-Modellen oder beim digitalen Zeichen – ist in den Arbeitsbereichen Ägyptologie, Altorientalische Philologie und Vorderasiatische Archäologie der Wunsch entstanden, eine innovative Lernarchitektur zu schaffen, mit der neue Formen des Austauschs zwischen Studierenden, Dozierenden und Forschenden möglich werden und sich projekt- und forschungsorientierte Wissensvermittlung räumlich entfalten kann. Eine Einbindung weiterer Disziplinen im Bereich der Altertumswissenschaften ist dabei ausdrücklich erwünscht.

"Wir wissen heute, dass Raumqualität das individuelle Lernerlebnis beeinflussen und auch Auswirkungen auf Konzentrationsfähigkeit und Wohlbefinden haben kann", betont JGU-Vizepräsident Prof. Dr. Stephan Jolie. "Ganz praktisch reden wir hier über die Anschaffung von multifunktionalem, flexiblem Inventar – beispielsweise mobilen Sitzecken, Akustiktrennwänden, höhenverstellbaren Tischen – sowie von einer zukunftsorientierten technischen Ausstattung, Stichwort Kameras, Tablets, Präsentationstechnik mit smarter Akustik. Wir wollen eine offene, inklusive Lernlandschaft schaffen, die sowohl die Anwesenden in Präsenz als auch diejenigen, die per Streaming im virtuellen Raum zugeschaltet sind, gleichermaßen abholt."

Die Entwicklung des neuen Raumkonzepts soll partizipativ mit Studierenden, Lehrenden und Forschenden der beteiligten Arbeitsbereiche erfolgen – angedacht sind Design-Thinking-Workshops, die auch Themen wie Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung behandeln und zum Beispiel den Einsatz von nachhaltigen Materialien und stromsparenden Lichtquellen, von Zeitschaltuhren für Geräte im Dauerbetrieb und verschiedene weitere Ansätze diskutieren.