JGU hat in der Exzellenzinitiative erfolgreich abgeschnitten: Exzellenzcluster und Graduiertenschule bewilligt

Internationales Gutachtergremium gibt positives Votum für Exzellenzcluster und Graduiertenschule / 50 Millionen Euro für die Mainzer Spitzenforschung

15.06.2012

In der zweiten Phase der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder hat die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) erfolgreich abgeschnitten. Die Gemeinsame Kommission der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und des Wissenschaftsrats sowie die zuständigen Ministerinnen und Minister des Bundes und der Länder haben den Exzellenzcluster "Precision Physics, Fundamental Interactions and Structure of Matter" (PRISMA) sowie die Graduiertenschule "MAterials Science IN MainZ" (MAINZ) bewilligt. Der Gesamtumfang der Fördermittel beträgt damit voraussichtlich 50 Millionen für die nächsten fünf Jahre. "Über diesen Erfolg in dem bundesweiten, ausgesprochen harten Wettbewerb der Universitäten freuen wir uns sehr", erklärt der Präsident der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Prof. Dr. Georg Krausch. "Denn die jüngste Entwicklung der JGU ist geprägt von einer Fokussierung auf exzellente Profilschwerpunkte in der Forschung. Die erfolgreichen Konzepte für den bewilligten Exzellenzcluster bzw. für die Graduiertenschule der Exzellenz stellen die konsequente Fortsetzung unserer Profilbildungsstrategie dar. Dass sich unsere Profilschwerpunkte Teilchen-, Hadronenphysik und Kernchemie sowie Materialwissenschaften im Exzellenzwettbewerb behauptet haben, ist gerade im Hinblick auf die starke Konkurrenz eine Bestätigung der internationalen Positionierung unserer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Ihnen möchte ich für ihre hohe Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft meine ausdrückliche Anerkennung und meinen besonderen Dank aussprechen." Wesentlicher Erfolgsfaktor des bewilligten Exzellenzclusters PRISMA sei dabei auch die Mitwirkung der in der Region ansässigen, international renommierten außeruniversitären Forschungseinrichtungen gewesen, unter anderem die Beteiligung des Helmholtz Instituts Mainz oder der Gesellschaft für Schwerionenforschung in Darmstadt. Die Graduiertenschule der Exzellenz MAINZ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung und der TU Kaiserslautern.

Insgesamt waren bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft 64 Anträge auf Exzellenzcluster bzw. 63 Anträge auf Graduiertenschulen zur Begutachtung in der Endrunde, von denen 43 beziehungsweise 45 bewilligt wurden – darunter der Exzellenzcluster "Precision Physics, Fundamental Interactions and Structure of Matter" (PRISMA) und die Graduiertenschule "Material Science in Mainz" (MAINZ). Damit gehört die Johannes Gutenberg-Universität Mainz zu den insgesamt 39 deutschen Universitäten, die in der zweiten Runde der Exzellenzinitiative erfolgreich abgeschnitten haben.

"Für uns ist es zudem auch ein großer Erfolg, dass wir zu den 16 deutschen Universitäten gehörten, die in der sog. dritten Linie mit ihrem Zukunftskonzept um den Titel 'Exzellenzuniversität' konkurrieren durften. Allein diese Auswahl werten wir als Auszeichnung unserer Strategie der gesamtinstitutionellen Steuerung", so der Präsident. "Dass wir hier mit weiteren namhaften deutschen Universitäten nun knapp scheiterten, bedauern wir natürlich. Bis zuletzt war wohl der Exzellenzstatus unserer Universität in der Diskussion. Wir werden nun dennoch zentrale Elemente unseres Zukunftskonzepts implementieren und unsere erfolgreiche Strategie der Profilbildung und der aktiven Gestaltung des Wandels weiter fortsetzen. Kurz: Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz hat von der Exzellenzinitiative erheblich profitiert und Mainz als international konkurrenzfähigen Standort mit leistungsstarker Forschungslandschaft und ausgezeichneter wissenschaftlicher Infrastruktur profiliert."

Die bewilligten Exzellenzprojekte sind in den Profilschwerpunkten der Universität angesiedelt. So bestätigt das positive Votum der internationalen Gutachter für die Graduiertenschule der Exzellenz "Material Science in Mainz" (MAINZ) gerade im Hinblick auf die sehr starke Konkurrenz die internationale Positionierung unserer Mainzer Materialwissenschaftler. Die Graduiertenschule MAINZ hat sich nach 2007 zum zweiten Mal in der Exzellenzinitiative durchgesetzt. "Diese Gutachterentscheidung bedeutet eine Auszeichnung der herausragenden Leistungen in diesem Forschungsfeld, aber auch der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses an unserer Universität", so der Präsident. Der Exzellenzcluster "Precision Physics, Fundamental Interactions and Structure of Matter" (PRISMA) befasst sich mit den grundlegenden Fragen nach der Natur der fundamentalen Bausteine der Materie und ihrer Bedeutung für die Physik des Universums. "PRISMA besteht aus renommierten Forschergruppen, deren weltweite wissenschaftliche Positionierung bereits seit Jahren durch Publikationen, Preise und hervorragende Ergebnisse in nationalen und internationalen Rankings belegt ist", so der Präsident. So zählt der aktuelle DFG-Förderatlas 2012 die Mainzer Physik und Mathematik zu den deutschlandweit drittmittelstärksten Fachgebieten.

"Die Erfolge in der Exzellenzinitiative bestätigen den eingeschlagenen Weg unserer Schwerpunktbildung in Wissenschaft und Forschung", so der Präsident. "Mit der zusätzlichen Förderung hat die JGU eine hervorragende Basis, diese Entwicklung konsequent fortzusetzen, die sich in zukünftigen Wettbewerben dieser Art in weiteren Erfolgen niederschlagen wird."

Exzellenzorientierte Hochschulsteuerung

Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz wird darüber hinaus zentrale Elemente ihres Zukunftskonzepts implementieren, das auf die Einbindung exzellenter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in die Hochschulsteuerung bei gleichzeitiger Professionalisierung und Stärkung der dezentralen Entscheidungsorgane zielt. Dabei legt die JGU besonderen Wert auf eine breite Partizipation möglichst vieler ihrer Mitglieder an den bereits eingeleiteten Veränderungsprozessen.

"Meilenstein in diese Richtung war 2007 die Einrichtung des Gutenberg Forschungskollegs als Beratungs- und Förderstruktur, die sich an Exzellenz als alleinigem Wegweiser orientiert; 2011 eröffnete die Universität mit dem Gutenberg Lehrkolleg eine entsprechende Einrichtung zur Förderung von Exzellenz in der Lehre und zur Entwicklung innovativer Lehrkonzepte", so der Präsident.

Parallel zur Einrichtung dieser Expertengremien setzt die JGU auf die konsequente Einbindung ihrer Mitglieder in dezentrale Entscheidungsprozesse und bietet vielfältige Angebote der Personalentwicklung. Flankiert werden diese Maßnahmen durch universitätsweite Strukturen zur Unterstützung des wissenschaftlichen Nachwuchses und eine konsequente Öffnung der Universität in andere Bereiche der Gesellschaft. In ihrem Motto zur Exzellenzinitiative nimmt die JGU Bezug auf die revolutionäre Innovation ihres Namensgebers als Grundlage der modernen Wissensgesellschaft und motiviert ihre Mitglieder, gemeinsam Grenzen zu überschreiten. "Diese universitätsweite Kultur der aktiven Gestaltung von Wandel spiegelt sich im Motto 'Moving Minds – Crossing Boundaries' wider", erläutert der Präsident. Die zukünftige Entwicklung der JGU wird durch eine umfassende bauliche Erneuerung des Mainzer Universitätscampus und der Universitätsmedizin Mainz durch das Land Rheinland-Pfalz nachhaltig unterstützt. Zahlreiche Neubau- und Sanierungsmaßnahmen mit einem Gesamtvolumen von rund 600 Millionen Euro wurden und werden seit 2005 bereits in Angriff genommen.

Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) zählt mit rund 37.000 Studierenden aus über 130 Nationen zu den zehn größten Universitäten Deutschlands – und ist gemeinsam mit der Universitätsmedizin Mainz mit rund 9.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der zweitgrößte Arbeitgeber in Rheinland-Pfalz. Als einzige Volluniversität des Landes Rheinland-Pfalz vereint sie nahezu alle akademischen Disziplinen, inklusive der Universitätsmedizin Mainz und zwei künstlerische Hochschulen unter einem Dach – eine in der bundesdeutschen Hochschullandschaft einmalige Integration. Mit 145 Fächern, 119 Bachelor- und 96 Masterstudiengängen bietet sie eine außergewöhnlich breite Palette von Studienmöglichkeiten an.

Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist mit folgenden Projekten in der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder erfolgreich:

EXZELLENZCLUSTER ZUR FÖRDERUNG DER SPITZENFORSCHUNG

"Precision Physics, Fundamental Interactions and Structure of Matter" – PRISMA (Teilchen- und Hadronenphysik sowie Kernchemie)

(Link zur Homepage)Der Exzellenzcluster PRISMA befasst sich mit den grundlegenden Fragen nach der Natur der fundamentalen Bausteine der Materie und ihrer Bedeutung für die Physik des Universums. PRISMA besteht aus renommierten Forschergruppen, die vorwiegend auf den Gebieten Astroteilchen-, Hochenergie- und Hadronenphysik, Kernchemie sowie der Präzisionsphysik mit ultrakalten Neutronen und Ionenfallen arbeiten. Die Realisierung diverser neuer Schlüsselexperimente zur Erforschung der Fundamentalkräfte und der Grenzen des Standardmodells ist eine der Hauptinitiativen des Clusters. Die wissenschaftlichen Projekte des Clusters PRISMA, einer gemeinsamen Aktivität der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, des Helmholtz Instituts Mainz (HIM) und des Helmholtzzentrums GSI in Darmstadt, sind in vier Forschungsfelder und vier Strukturmaßnahmen untergliedert.

Das Forschungsfeld Fundamentalkräfte befasst sich mit der indirekten Suche nach neuer Physik. Als wichtigste begleitende Strukturmaßnahme ist der Bau eines supraleitenden, energierückgewinnenden Beschleunigers (MESA) sowie der Ausbau des bestehenden TRIGA-Reaktors zu einer User Facility mit der weltweit stärksten Quelle für ultrakalte Neutronen vorgesehen. Die Beteiligung an internationalen Großprojekten wie dem ATLAS-Experiment, dem IceCube Neutrinoteleskop und dem XENON Projekt zur Suche nach dunkler Materie ist die Grundlage für Forschungsfeld Ursprung der Masse, das die Suche nach dem Higgs-Boson, WIMPs und anderen Teilchen aus Erweiterungen des Standardmodells zum Thema hat. Das Forschungsfeld Struktur der Materie befasst sich mit der Erforschung der komplexen inneren Struktur von Hadronen, die durch die Gründung eines Analysezentrums für Hadronstruktur besonders gefördert werden soll. Die Methoden der Theoretischen Physik stehen im Zentrum des vierten Forschungsfelds. Als zentrale Strukturmaßnahme ist hierzu die Gründung des Mainzer Zentrums für Theoretische Physik (MITP) vorgesehen, das langfristig die Rolle eines internationalen Theoriezentrums in Deutschland übernehmen soll. Das PRISMA Detektorlabor ist ein weiteres Strukturziel für gemeinsame innovative Detektorentwicklung und –bau des gesamten Clusters.

Sprecher: Prof. Dr. Matthias Neubert, Institut für Physik; Prof. Dr. Hartmut Wittig, Institut für Kernphysik
Kooperationspartner: Helmholtz Institut Mainz; Gesellschaft für Schwerionenforschung, Darmstadt; Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie

GRADUIERTENSCHULE ZUR FÖRDERUNG DES WISSENSCHAFTLICHEN NACHWUCHSES

Graduiertenschule der Exzellenz "Materials Science in Mainz" (MAINZ)

(Link zur Homepage)Die Graduiertenschule "MAterials Science IN MainZ" (MAINZ) ist ein Gemeinschaftsprojekt der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, der TU Kaiserslautern und des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung in Mainz. Sie widmet sich der Graduiertenausbildung auf dem Gebiet der Materialforschung und basiert auf einem innovativen Programm, das exzellente wissenschaftliche und technische Ausbildung von Promovierenden, die Förderung von komplementären Kernkompetenzen sowie Materialforschung auf höchstem Niveau gleichermaßen umfasst. Die wissenschaftliche Vision von MAINZ ist die gezielte Herstellung, Optimierung und Nutzung von multifunktionalen Materialien, die einen interdisziplinären Ansatz erfordern und insbesondere von Synergien profitieren, die durch die Verbindung bisher disjunkter Forschungsfelder entstehen.

In der ersten Förderperiode hat sich MAINZ erfolgreich als eine herausragende Graduiertenschule im Bereich der Materialforschung etabliert. Bisher haben 91 Doktoranden in MAINZ promoviert, die von exzellenten Wissenschaftlern der drei Partnereinrichtungen betreut wurden. Basierend auf dem Erfolg der ersten Förderperiode, hält MAINZ an der Ausbildungsstrategie fest, ein breites und gleichzeitig flexibles Trainingsprogramm zu bieten, das an den individuellen Bedürfnissen der Doktoranden ausgerichtet ist. Um dieses anspruchsvolle Ausbildungsziel zu erreichen, kombiniert MAINZ den Ansatz der Ausbildung durch Training through Research mit dem Programm Training for Life, um eine umfassende Ausbildung für zukünftige Führungskräfte in Wissenschaft, Industrie und anderen wissenschaftsbasierten Bereichen zu bieten.

Ausgehend von dem Grundlagenverständnis der ersten Förderperiode wird sich MAINZ in der zweiten Förderperiode verstärkt der Anwendung dieses Verständnisses zur gezielten Herstellung und Nutzung von funktionalen Materialien widmen. Dieser Anwendungsfokus ist insbesondere durch intensive Industriekooperationen dokumentiert, die ein besonderes Markenzeichen von MAINZ darstellen. In der zweiten Förderperiode sollen die existierenden Ausbildungsfelder daher durch die anwendungsorientierten Bereiche Prozessierung und Methodenentwicklung sowie Förderung von unternehmerischen Kernkompetenzen erweitert werden. MAINZ setzt somit das erfolgreich gelebte Konzept fort, durch die gezielte Verbindung bisher disjunkter Forschungsbereiche eine inspirierende Atmosphäre zu schaffen, die Kreativität und Innovation für neue bahnbrechende Erkenntnisse im Bereich der Materialforschung hervorbringt.

Sprecher: Prof. Dr. Mathias Kläui, Institut für Physik
Kooperationspartner: Technische Universität Kaiserslautern; Max-Planck-Institut für Polymerforschung, Mainz