"Wissensarchitektur" auf dem Campus: Ausstellung WISSEN SCHAFFT RAUM führt durch die Architekturgeschichte der JGU

Ausstellung beleuchtet die teilweise denkmalgeschützten Bauwerke des Mainzer Universitätscampus im Verhältnis zum internationalen Architekturgeschehen

07.09.2021

Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) zeigt zum 75-jährigen Jubiläum ihrer Wiedereröffnung die Ausstellung "WISSEN SCHAFFT RAUM", die die teilweise denkmalgeschützten Bauwerke des Mainzer Universitätscampus im Verhältnis zum internationalen Architekturgeschehen beleuchtet. Die multimediale und interaktive Ausstellung wird im Rahmen des heutigen Festakts eröffnet und ist bis zum 22. Oktober 2021 in der Infobox auf dem Gutenberg-Campus sowie dauerhaft als virtueller Rundgang im Internet zu sehen.

Ausgehend von Bestandsgebäuden einer alten Wehrmachtskaserne und seit 1946 in mehreren Bauphasen gewachsen, vereint der Gutenberg-Campus Bestands- und Neubauten auf engstem Raum. Der Mainzer Campus, dessen Grundkonzept in der Nachkriegszeit wegweisend war, ist aber auch in seiner funktionalen und sozialen Struktur ein vielschichtiges Gebilde, bestehend aus unterschiedlichen Einrichtungen, Instituten, Kollegien, Gruppen und Personenclustern. "Hochschularchitektur muss auf diese vielfältigen, teils widersprüchlichen Komponenten reagieren und sie nach Möglichkeit in einen Ausgleich bringen", erklärt Prof. Dr. Matthias Müller von der Abteilung Kunstgeschichte der JGU, der gemeinsam mit Kollegin Jennifer Konrad die Ausstellung konzipiert und umgesetzt hat. "Aufgrund dieser vielfältigen Struktur wird der Mainzer Campus zu einer Architekturlandschaft, in der die Strömungen der Moderne, Nachkriegsmoderne, Postmoderne, High-Tech-Architektur bis zur zeitgenössischen Formensprache ablesbar werden."

Leitideen der Wissenschafts- und Bildungspolitik, der Universitätsbauleitung wie von externen Architekten, aber auch Ereignisse des internationalen und nationalen Zeitgeschehens und gesellschaftliche Protest- und Reformbewegungen werden durch die Gestaltung der Architektur greifbar. Die in den Bauwerken ablesbaren unterschiedlichen städtebaulichen Leitideen erzählen vom ständigen Antrieb einer Weiterentwicklung des Vorhandenen. Dabei dienten und dienen die Positionen internationaler berühmter Architektinnen und Architekten von Beginn an als Vorbild und Anregung für die Entwicklung einer kompetenten Hochschularchitektur. Bei den markanten Einzelbauten des Campus werden interessante Verbindungen zur internationalen Weltarchitektur von unter anderem Ludwig Mies van der Rohe, Le Corbusier oder Robert Venturi aufgetan.

Wissen und Architektur eng verwoben

Die Ausstellung "WISSEN SCHAFFT RAUM" erzählt ferner die reiche Entwicklungsgeschichte und den Entstehungskontext des Gutenberg-Campus im Hinblick auf das Verhältnis von Raum und Wissen bzw. Raum und Wissenschaft. Lernorte wie der Campus können ihre Wirkung erst dann voll entfalten, wenn sie förmlich zu "Wissensräumen" ausgestaltet werden. Sie werden aufwendig geplant, um städtebaulich und architektonisch die bestmöglichen Voraussetzungen für Bildungs- und Forschungsprozesse zu schaffen. "Wenn Universitätsarchitektur diese Anforderungen erfüllt, kann sie eine doppelte Rolle einnehmen: In Form von konkreten Bauwerken stellt sie das benötigte Raumprogramm bereit und schafft das gewünschte Raumklima sowie eine repräsentative Außenwirkung", so Jennifer Konrad. Als metaphorischer Überbegriff kann "Wissensarchitektur" die Strukturen der Wissensaneignung selbst beschreiben. Wissen und Architektur sind somit eng verwoben. Dahingehend bedeutet "Wissensarchitektur" nicht nur die Organisation, Strukturierung und Verwaltung von Wissen. Sie schafft auch ein räumliches und bauliches Pendant, um dem Prozess des wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns auf der Ebene der gebauten Architektur die besten Voraussetzungen zu geben.