Evolutionsbiologin Sinead English und Chemiker Emanuele Penocchio wechseln auf Professuren in Mainz
22.07.2026
Die Wübben Stiftung Wissenschaft, eine private Förderstiftung mit Sitz in Berlin, unterstützt mit insgesamt rund zwei Millionen Euro die Berufung der Evolutionsbiologin Dr. Sinead English und des Chemikers Dr. Emanuele Penocchio auf Professuren an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). English wechselt von der University of Bristol und besetzt an der JGU eine Lebenszeitprofessur am Institut für Organismische und Molekulare Evolutionsbiologie. Penocchio kommt von der Université de Strasbourg und wird im Bereich Theoretische Chemie am Department Chemie der JGU tätig sein. Er besetzt eine sogenannte Tenure-Track-Professur, die nach einer erfolgreichen Bewährungsphase in eine Lebenszeitprofessur übergehen soll.
"Wir freuen uns sehr darüber, dass die beiden international renommierten Forschenden Sinead English und Emanuele Penocchio an die JGU kommen, und wünschen beiden für ihren Start bei uns alles Gute. Der Wübben Stiftung Wissenschaft sind wir für ihre Unterstützung sehr dankbar, weil diese es uns ermöglicht, mit solchen Berufungen unsere Universität erheblich zu stärken", betont der Vizepräsident für Forschung und wissenschaftliche Karrierewege der JGU, Prof. Dr. Stefan Müller-Stach. "Zu erwähnen ist auch, dass die Berufung von Sinead English außerdem über die Förderlinie 'Personen – Herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gewinnen und halten' des Ministeriums für Wissenschaft, Weiterbildung und Gesundheit des Landes Rheinland-Pfalz gefördert wird, wofür wir ebenfalls sehr dankbar sind."
Sinead English: Entwicklungsgeschichtliche und evolutionäre Antworten auf Umweltveränderungen
Die Evolutionsbiologin Sinead English untersucht, wie Umweltbedingungen Gesundheit, Fortpflanzung und Krankheitsübertragung prägen – über verschiedene Lebensphasen und Generationen hinweg. Dabei verbindet sie Evolutionsbiologie, Gesundheitsforschung und Klimaforschung. Sie arbeitet mit theoretischen Modellen, Experimenten und vergleichenden Studien. Im Fokus ihrer Forschung liegt das Verständnis der evolutionären Ursachen und Folgen von Schwangerschaft und die Entwicklung von Krankheitsüberträgern. So untersucht sie unter anderem, wie sich Stress während der Schwangerschaft auswirkt. Ihr Ziel ist es, besser zu verstehen, wie Organismen ihre begrenzten Ressourcen auf Wachstum, Fortpflanzung und Überleben verteilen. Zugleich fragt sie, welche Bedeutung diese Erkenntnisse für globale Herausforderungen haben – etwa dafür, wie Tiere auf einen raschen Umweltwandel reagieren.
Emanuele Penocchio: Moleküle in Motoren verwandeln
Das Verständnis der Thermodynamik ermöglichte einst die Entwicklung der Dampfmaschine und trieb die erste industrielle Revolution voran. Heute weisen künstliche molekulare Maschinen den Weg zu einer möglichen "nanoindustriellen Revolution". Doch die Theorie, die für ihr gezieltes Design erforderlich ist, fehlt bislang. Etablierte Modelle beschreiben Chemie im Gleichgewicht, während molekulare Maschinen – ähnlich wie lebende Zellen – nur fernab davon funktionieren. Fortschritt hängt daher weiterhin weitgehend von glücklichen Zufällen und Intuition ab. Der Chemiker Emanuele Penocchio kommt nach Mainz, um diese Lücke zu schließen und die ersten Designregeln für eine Chemie zu formulieren, die – wie das Leben – niemals zur Ruhe kommt. Er wechselt vom Institut für Supramolekulare Wissenschaft und Ingenieurwesen der Université de Strasbourg, wo er ein Marie-Skłodowska-Curie-Postdoktorandenstipendium innehat. Davor war er mehrere Jahre an der Northwestern University in den USA tätig. An der JGU will er theoretische und computergestützte Methoden entwickeln, die erforderlich sind, um chemische Prozesse unter Nichtgleichgewichtsbedingungen systematisch vorherzusagen, zu gestalten und zu programmieren. Der Nutzen reicht von effizienteren Katalysatoren und einer saubereren, elektrifizierten chemischen Produktion bis zu Materialien, die Energie aus ihrer Umgebung nutzen.