VolkswagenStiftung unterstützt Untersuchung einer möglichen Katastrophe im 4. Jahrtausend v. Chr.

Förderung eines Projekts der JGU und des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle an der Saale

04.12.2009

Mit einer ungewöhnlichen Mehrfachbestattung des 4. Jahrtausend v. Chr. im Fokus wird sich ein neues Forschungsprojekt an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und dem Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle befassen. Dabei soll die Frage geklärt werden, ob es sich bei dem Fund nahe Halle an der Saale um einen historischen Kriminalfall oder um eine ritualisierte Bestattung von auf natürlichem Wege Verstorbenen handelt. Die VolkswagenStiftung stellt dem Forscherteam um Prof. Dr. Harald Meller, Direktor des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt – Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle an der Saale sowie Prof. Dr. Kurt W. Alt vom Institut für Anthropologie der Universität Mainz für ihr Vorhaben "Katastrophe oder Ritual? Ein Kriminalfall aus dem 4. Jahrtausend vor Christus – Interdisziplinäre Studie zu einer ungewöhnlichen Mehrfachbestattung" 572.000 Euro zur Verfügung.

Die VolkswagenStiftung unterstützt das Projekt im Rahmen ihrer Initiative "Forschung in Museen", um vor allem die kleineren und mittleren Museen als Forschungsinstitutionen zu stärken. Im Vordergrund stehe sowohl die Vernetzung mit Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen als auch die Ausbildung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Am Institut für Anthropologie werden sich bei dem nun bewilligten Projekt zwei Doktoranden mit dem spektakulären Fund befassen: Neun Personen wurden im 4. Jahrtausend v. Chr. kollektiv beerdigt, unter ihnen vier erwachsene Frauen, die je ein Kind umarmen, des Weiteren eine schwangere Frau. Zugeordnet wird dieser Fund einer Kollektivbestattung der sog. Salzmünder Kultur (3.600-3.000 v. Chr.), viel mehr ist nicht bekannt.

Diese Erhebung ist eingebettet in eine umfassende Untersuchung der gesamten Bevölkerung am Fundort Salzmünde bei Halle, insgesamt etwa 130 Individuen, sowie ihrer Kultur. Sie erfolgt mithilfe moderner molekulargenetischer und biochemischer Methoden, archäologischer Synthesen und forensischer Analysen. Auf diese Weise sollen Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den Toten, die Lebensläufe Einzelner und ihr jeweiliger Gesundheitsstatus erhoben werden. Auch über die sozialen Bedingungen der Bestattungen und der zugehörigen Bevölkerung erhoffen sich die Wissenschaftler Erkenntnisse. Die Förderung läuft über drei Jahre, mit ersten Ergebnissen wird frühestens im Jahr 2011 gerechnet.