Studierendenprojekt zeigt sozialdemokratische Partei- und Ideengeschichte in Rheinland-Pfalz aus kulturanthropologischer Perspektive

Von Arbeiterbildungsvereinen bis zum zweiten Hambacher Fest / Dokumente aus drei Jahrhunderten

14.11.2013

"Rheinland-Pfälzer sind keine Revolutionäre." So beurteilt Joachim Mertes, Präsident des rheinland-pfälzischen Landtags, in einem Interview die Anfänge der Arbeiterbewegung im Südwesten Deutschlands. Einzelne Arbeiterführer standen auf den Barrikaden, während die Mehrzahl der Arbeiter eher das kleinbürgerliche Idyll im Blick hatte, wenn es um die "Soziale Frage" ging. Doch auch ohne Revolution brachte die Industrialisierung vor allem in der Pfalz und in Rheinhessen eine organisierte Arbeiterschaft hervor, die bald für neue politische Verhältnisse sorgen sollte.

Das Interview ist Teil einer "Web-Ausstellung" über die Geschichte der Sozialdemokratie in Rheinland-Pfalz, die aus einem Studierendenprojekt im Fach Kulturanthropologie/Volkskunde an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) hervorging. Anlässlich des 150. Jubiläums der SPD wurde in diesem Projekt versucht, die sozialdemokratische Partei- und Ideengeschichte aus einer kulturanthropologischen Perspektive zu beleuchten.

Das Projekt erzählt Geschichte in Form von "Dokumentgeschichten". Ziel des Vorhabens war es, die regionale Parteiengeschichte durch ausgewählte Dokumente wie Plakate, Fotos, Zeitungsberichte oder Interviews zu veranschaulichen. Unter der Leitung von Jonathan Roth recherchierten Studierende aus dem B.A.-Studiengang "Kultur - Theater - Film" aussagekräftige Quellen und verfassten Aufsätze, in denen die historischen Hintergründe analysiert werden, die zur Entstehung dieser Dokumente führten.

Die Dokumentgeschichten spannen einen Bogen von den Anfängen der Arbeiterbewegung bis in die Gegenwart. Sie erzählen von den Auswirkungen großer Ereignisse in der Region, wie der Gründung von Arbeiterbildungsvereinen 1848, den Folgen der Revolution 1918 in Mainz oder der Arbeit der Exilorganisation SoPaDe in der NS-Zeit. Sie handeln auch von regionalen Besonderheiten wie dem "Fall Bögler" und einem zweiten "Hambacher Fest" im Jahr 1985. Die Dokumentgeschichten werden ergänzt durch Interviews, eine Sammlung von Kurzbiographien und eine Chronologie der wichtigsten Ereignisse. Die Web-Ausstellung bietet damit Einblicke in den Alltag von Personen und Organisationen aus mehr als 150 Jahren Sozialdemokratie.

Das Projekt ist eine Kooperationsarbeit der JGU, des SPD-Landesverbands Rheinland-Pfalz, des Instituts für geschichtliche Landeskunde Mainz und des Archivs der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung Bonn. Die Web-Ausstellung wurde in einer ersten Fassung im Mai 2013 im Rahmen des Festakts zu "150 Jahren SPD" im Frankfurter Hof in Mainz freigeschaltet. Zwischenzeitlich wurde das Projekt weiter fortgeführt und durch neue Beiträge ergänzt.