Laschet-Lacher: Kein Einfluss auf Wahlverhalten nachweisbar

Aktuelle Studie der Universitäten Mainz und Frankfurt am Main zur Wirkung unangemessener emotionaler Reaktionen von politischen Führungspersonen

10.09.2026

Dass Kanzlerkandidat Armin Laschet bei einem Ortstermin nach der Flutkatastrophe 2021 ausgelassen lachte, schadete messbar seinem Image. Einen nachweisbaren Einfluss auf das Wahlverhalten hatte die als "Laschet-Lacher" bekannt gewordene Szene aber nicht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Prof. Dr. Constantin Wurthmann von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und Dr. Jan Berz von der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Die Ergebnisse der Politikwissenschaftler sind in der vergangenen Woche in der Fachzeitschrift Electoral Studies veröffentlicht worden.

Ausgangspunkt der Studie war die viel beachtete Szene aus dem Bundestagswahlkampf 2021: Während Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Hochwassergebiet über die Folgen der Katastrophe sprach, war der damalige nordrhein-westfälische Ministerpräsident und CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet im Hintergrund lachend zu sehen. Die Bilder verbreiteten sich rasch und lösten heftige Kritik aus. "Bis heute hält sich die Vorstellung, dass dieser Moment Laschet möglicherweise sogar die Wahl gekostet hat", sagt Wurthmann, seit April 2026 Professor für Politisches Verhalten und Repräsentation an der JGU. "Wir wollten deshalb wissen, welche Folgen es tatsächlich hat, wenn politische Führungspersonen im falschen Moment die falsche Emotion zeigen."

Ein unerwartetes Ereignis als natürliches Experiment

Dass Wählerinnen und Wähler angemessene emotionale Reaktionen von Politikerinnen und Politikern positiv aufnehmen, ist Wurthmann zufolge gut belegt. "Deutlich weniger weiß man aber über die Folgen unangemessener Reaktionen", sagt er. Solche Normverletzungen könnten zwar enorme mediale Aufmerksamkeit erzeugen. "Die entscheidende Frage ist aber, ob ein solcher Imageschaden am Ende auch das politische Verhalten der Menschen verändert." Dank eines Zufalls ließ sich diese Frage am Beispiel des Laschet-Lachers besonders gut untersuchen: Zum Zeitpunkt des Ereignisses lief bereits eine umfangreiche Panelbefragung zur Bundestagswahl 2021 im Rahmen der Langzeitstudie "German Longitudinal Election Study" der Deutschen Gesellschaft für Wahlforschung und des GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften. Ein Teil der Teilnehmerinnen und Teilnehmer war kurz vor dem Vorfall befragt worden, ein anderer machte seine Angaben danach. "In der Politikwissenschaft wird ein solches Forschungsdesign als 'Unexpected Event during Survey Design' bezeichnet", sagt Jan Berz. "Damit lässt sich untersuchen, wie ein unerwartetes Ereignis Einstellungen und Verhalten beeinflusst." Normalerweise lasse sich bei einem Ereignis mitten im Wahlkampf nur schwer feststellen, welche Effekte tatsächlich auf dieses eine Ereignis zurückgingen und welche anderen Einflüsse eine Rolle spielen könnten. "Hier aber bot uns der Zeitpunkt der Befragung die Möglichkeit, den Effekt des Vorfalls von anderen Einflüssen des Wahlkampfs zu unterscheiden und dabei ein reales politisches Ereignis zu untersuchen", sagt Wurthmann.

Beim Vergleich der vor und nach dem Laschet-Lacher erhobenen Daten zeigte sich ein messbarer persönlicher Imageschaden: Danach bewerteten die Befragten den Charakter des Kanzlerkandidaten negativer. "Der Effekt war moderat, aber statistisch nachweisbar", so Wurthmann. Weder in Bezug zur Wahlbeteiligung noch zur Wahlentscheidung fanden die Politikwissenschaftler jedoch einen signifikanten Effekt. "Der Schaden am Bild der Person ist real, aber begrenzt, und übersetzt sich nicht in Verhalten."

Virale Momente entscheiden nicht zwangsläufig Wahlen

Die Studie relativiert damit die Vorstellung, einzelne öffentliche Fehltritte könnten einen Wahlkampf entscheiden. "Wir sehen an diesem Beispiel sehr deutlich, dass die Bewertung einer Person und die Wahlentscheidung zwei verschiedene Dinge sind", sagt Wurthmann. "Ein solcher Moment kann dem Image schaden, ohne deshalb gleich wahlentscheidend zu sein." Nach Ansicht der Forscher könnten unangemessene emotionale Reaktionen damit auch anders wirken als klassische politische Skandale, etwa um Machtmissbrauch oder finanzielle Verfehlungen. Für solche Fälle sind in früheren Studien Effekte dokumentiert, die – im Gegensatz zum Laschet-Lacher – sehr wohl über die Wahrnehmung der Person hinausreichen.