Land investiert in die Zukunft am Mainzer Zyklotron

Neues Synthese-Modul stärkt regionale Patientenversorgung sowie nuklearmedizinische Ausbildung und Forschung

28.07.2026

GEMEINSAME PRESSEMITTEILUNG DER JOHANNES GUTENBERG-UNIVERSITÄT MAINZ UND DES MINISTERIUMS FÜR WISSENSCHAFT, WEITERBILDUNG UND GESUNDHEIT (MWWG)

Das Land Rheinland-Pfalz unterstützt die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) mit 250.000 Euro beim Ausbau der Nutzung ihres Zyklotron-Beschleunigers. Mit einem neuen Synthese-Modul können hier künftig gebrauchsfertige Radiopharmaka für die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) hergestellt werden. Das bildgebende PET-Verfahren nutzt diese Radiopharmaka, um Stoffwechselprozesse sichtbar zu machen sowie Tumorerkrankungen, Metastasen und Entzündungen frühzeitig zu erkennen. Damit wird durch die Landesförderung die regionale Versorgung mit wichtigen Radiopharmaka für PET-Untersuchungen verbessert und zugleich Forschung und Ausbildung in der Nuklearmedizin, Chemie und Physik gestärkt.

"Exzellente Forschung entfaltet ihren größten Wert, wenn sie den Menschen unmittelbar zugutekommt. Mit dem neuen Synthese-Modul schaffen wir in Rheinland-Pfalz eine Infrastruktur, die die medizinische Versorgung, Forschung und Lehre gleichermaßen stärkt", betont Clemens Hoch, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Gesundheit. "Die Förderung des Mainzer Zyklotrons ist eine wichtige Investition in den Wissenschafts- und Gesundheitsstandort Rheinland-Pfalz."

Und JGU-Präsident Prof. Dr. Georg Krausch ergänzt: "Wir danken dem Land Rheinland-Pfalz für die Unterstützung in der Weiterentwicklung des Mainzer Zyklotrons für einen langfristigen Einsatz in Forschung, Lehre und klinischer Anwendung. Über den Beitrag zur regionalen Patientenversorgung hinaus eröffnet der Einsatz des neuen Synthese-Moduls auch vielfältige Möglichkeiten für interdisziplinäre Forschung und die Ausbildung hochqualifizierter Fachkräfte.“

Radiopharmaka für moderne PET-Bildgebung

Das weltweit meistgenutzte Radionuklid für PET ist das kurzlebige radioaktive Isotop Fluor-18. Dieses wird auch am Zyklotron der JGU erzeugt und für die Herstellung neuer Radiopharmaka in der Positronen-Emissions-Tomografie verwendet. Dabei bietet die PET-Bildgebung als funktionelles Verfahren entscheidende Vorteile beispielsweise in der Onkologie und der Neurologie, indem sie Stoffwechselvorgänge auf zellulärer Ebene sichtbar macht. So ermöglichen PET-Scans die Früherkennung von Tumoren und Metastasen, oft sogar bevor anatomische Veränderungen anderweitig – beispielsweise im CT – sichtbar werden.

Das neue Synthese-Modul wird das am Mainzer Zyklotron erzeugte Radionuklid Fluor-18 zu einem unmittelbar einsetzbaren Radiopharmakon synthetisieren. Da Fluor-18 eine Halbwertszeit von lediglich 110 Minuten besitzt, müssen entsprechende Radiopharmaka unmittelbar nach ihrer Herstellung an Kliniken, Facharztpraxen, Forschungseinrichtungen oder Life-Science-Startups geliefert werden. Mit einem gut geschulten Team und geeigneter Transportlogistik können von Mainz aus medizinische Zentren in der gesamten Rhein-Main-Region mit Fluor-18 und daraus synthetisierten Radiopharmaka versorgt werden. Eine vergleichbare Möglichkeit gibt es in Rheinland-Pfalz derzeit nicht.

Neben der Produktion von Radiopharmaka für medizinische Anwendungen leistet das Zyklotron auch mittelbar einen wichtigen Beitrag zur Patientenversorgung. Es ermöglicht universitäre Forschung sowie die akademische Ausbildung hochqualifizierter Fachkräfte, die ihr Wissen später in nuklearmedizinischen Laboren, Krankenhäusern und Behandlungszentren einbringen.

Das Zyklotron wurde im Jahr 2015 auf dem Gutenberg-Campus installiert und 2016 offiziell in Betrieb genommen. Der rund eine Million Euro teure Teilchenbeschleuniger wurde mit Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Forschungsinitiative Rheinland-Pfalz finanziert. Parallel errichtete die JGU einen speziell auf das Großforschungsgerät ausgelegten unterirdischen Gebäudekomplex mit Technik-, Kontroll- und anschließenden Syntheseräumen. Insgesamt investierten DFG, Land und Universität damals mehr als zwei Millionen Euro in diese Forschungsinfrastruktur.