Johannes Gutenberg-Universität Mainz startet am 2. November in hybrides Wintersemester 2020/2021

Digitale Lehr- und Lernformate verbinden sich mit eingeschränktem Präsenzbetrieb / Studierendenzahlen auf Vorjahresniveau

28.10.2020

Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) öffnet am 2. November 2020 ihren Lehrbetrieb im Wintersemester 2020/2021, zu dem sie wie im Vorjahr rund 31.000 Studierende erwartet. Das kommende Wintersemester wird hybrid: Lehr- und Lernformate mit reiner Online-Teilnahme verbinden sich mit Hybrid-Veranstaltungen "on-campus" und "off-campus" und – wo möglich – mit reiner Präsenzlehre. Zu den weiteren Neuerungen gegenüber dem Sommersemester 2020 gehören unter anderem die partielle Öffnung von Teilen der Universität unter Einhaltung der entsprechenden hygienischen Standards wie auch neue innovative digitale Lehrformate. "In dieser schwierigen Situation agiert unsere Universität weiterhin mit größtmöglicher Flexibilität, um mögliche Nachteile für die Studierenden auf ein Minimum zu begrenzen", erklärt JGU-Präsident Prof. Dr. Georg Krausch. "Leitlinie für die Lehre im Wintersemester 2020/2021 ist, so viel Präsenz, wie unter den gegebenen Umständen verantwortbar ist, möglich zu machen. Mein ausdrücklicher Dank gilt dabei allen Universitätsmitgliedern für ihr beeindruckendes Engagement, die Qualität der Lehre auch in den digitalen Lehr- und Lernszenarien sicherzustellen. Uns ist bewusst, dass die Schaffung solcher digitalen Formate wie auch die Präsenzlehre in sehr kleinen Gruppen mit einem erheblichen Mehraufwand verbunden ist."

Angesichts knapper Raumressourcen, die unter Corona-Bedingungen nur einen Bruchteil der sonst üblichen Belegungszahlen zulassen, kann die JGU Präsenzangebote nicht nach gewohnten Mustern umsetzen. "Nachdem uns im Frühjahr der Lockdown in ein digitales Semester mit viel Improvisation und Vorläufigkeit gezwungen hat, setzen wir für das Wintersemester auf eine planvolle, hybride Gestaltung mit einem Mix aus Online- und Präsenzangeboten in dem Rahmen, den uns die Abstands- und Achtsamkeitsregeln vorgeben", so der Vizepräsident für Studium und Lehre der JGU, Prof. Dr. Stephan Jolie. Die aktuelle Bedeutung von "hybrid"“ hat dabei eine besondere Komponente erhalten und bezeichnet auch Lehr- beziehungsweise Lernszenarien, in denen etwa eine Veranstaltung gleichzeitig in Präsenz – für eine Studierendengruppe – und online – für eine andere Studierendengruppe – angeboten werden kann. "Das ist für die JGU neu und besonders", so Jolie. "Auch in diesen Szenarien werden Face-to-face-Komponenten, also physische Präsenz, und Online-Komponenten verknüpft. Zudem werden digitale Angebote für Studierende vorgehalten, die nicht vor Ort sein können."

Konzipiert, umgesetzt und inhaltlich verantwortet werden die Lehrveranstaltungen dezentral in den Fächern und Fachbereichen der JGU. Dabei haben sie sich auf der Basis der Erfahrungen aus dem Sommersemester auf gemeinsame Prioritäten und Vorgehensweisen verständigt. Um die Vernetzung bei der Planung eines hybriden Semesters weiter zu fördern, bot der Gutenberg Ideeathlon allen JGU-Angehörigen ein Forum zum Austausch. Im August 2020 gestartet, trafen über acht Wochen hinweg bei diesem offenen Format Lehrende und Studierende – vorwiegend digital – zusammen, um vorausschauend an Herausforderungen im Wintersemester zu arbeiten und Ansätze zu entwickeln, wie das beginnende Semester für alle möglichst erfolgreich gestaltet werden kann.

Infrastruktur für flexible Lehr- und Lernszenarien

Um möglichst flexible Lehr- und Lernszenarien umsetzen zu können, stattet die JGU aktuell unter anderem über 20 Seminarräume mit Videokonferenztechnik aus. Ergänzt wird die fest installierte Technik durch mobile Raumkameras und Mikrofone, die aus Sondermitteln dezentral beschafft wurden und werden. Die im Sommersemester bewährte Softwareausstattung wurde in der vorlesungsfreien Zeit überarbeitet und ergänzt. So steht das Moodle-basierte JGU-LMS als Lernmanagementsystem zur Verfügung. Mittels eines darin integrierten und datenschutzrechtlich sicheren Videokonferenztools, BigBlueButton, können sich Lehrende und Studierende in Hybridszenarien oder in synchronen Onlinesitzungen austauschen, miteinander arbeiten und lernen.

Guter Start ins Studium: Infos für Studienanfängerinnen und Studienanfänger

Die Fächer und zentralen Beratungseinrichtungen der JGU möchten den Studienanfängerinnen und Studienanfängern trotz der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie einen guten Start ins Studium ermöglichen. Um den sozialen Austausch insbesondere zwischen den Erstsemesterstudierenden, aber auch mit Lehrenden und fortgeschrittenen Studierenden zu stärken, planen verschiedene Fächer im Wintersemester 2020/2021 Präsenzformate in Kleingruppen und unter Einhaltung der geltenden Abstands- und Hygieneregelungen.

Den Empfang der Erstsemester koordiniert die Zentrale Studienberatung und informiert auf ihrer Webseite über fachspezifische und fächerübergreifende Angebote. Von zentraler Seite wird ein Moodle-Kurs "Willkommen an der JGU" eingerichtet, in dem kurze Botschaften zur Begrüßung, Informationen über die Universität und den Campus sowie über Serviceangebote für Erstsemesterstudierende gebündelt werden. Eine kleine Gruppe von Studierenden wird vor Ort auf dem Campus begrüßt, die Veranstaltung wird live gestreamt. Die bereits im Sommersemester 2020 eingeführten Konzepte für das Onboarding der Erstsemesterstudierenden werden für das Wintersemester 2020/2021 weiterentwickelt und in der Breite umgesetzt. Die Angebote beinhalten unter anderem:

  • die digitale Bereitstellung der für den Studienstart notwendigen fachspezifischen Informationen über Webseiten und/oder E-Mail-Verteiler,
  • die Einrichtung digitaler Kommunikationsplattformen und Online-Veranstaltungen,
  • individuelle fachspezifische Online-Beratungsangebote,
  • die digitale Vernetzung mit fortgeschrittenen Studierenden, unter anderem über Mentoring- und Tutoringprogramme sowie
  • das Kennenlernen in Präsenz in Kleingruppen.

Handlungsspielraum bei Prüfungen erweitert

Um den Studierenden auch unter den Bedingungen der Corona-Pandemie die Weiterführung ihres Studiums zu ermöglichen, hat der Senat der JGU bereits im Sommersemester 2020 eine "Teil-Rahmenprüfungsordnung für die Durchführung eines vorwiegend digitalen Semesters " (Corona-Satzung) verabschiedet. Die Satzung erweitert den Handlungsspielraum der Lehrenden, Prüfenden und Prüfungsausschüsse, beispielsweise indem digitale Lehr- oder Prüfungsformate ermöglicht werden. Zudem enthält sie Regelungen, die prüfungsrechtliche Nachteile für die Studierenden ausschließen sollen. So gelten für Prüfungen kulante Rücktrittsregelungen, da sich sowohl die Gesamtlage als auch die Umstände der oder des Einzelnen immer wieder kurzfristig ändern können. Studierende können bis 48 Stunden vor dem Prüfungstermin ohne Angabe von Gründen von der Prüfung zurücktreten. Außerdem werden Fristen für die Wiederholung von Prüfungen oder zur Meldung zur Abschlussarbeit ausgesetzt.

Aufgrund der nach wie vor bestehenden Infektionslage verbunden mit entsprechenden Hygiene- und Abstandsregeln sowie des hybriden Charakters des kommenden Wintersemesters sind die meisten der bereits im Sommersemester eingeführten prüfungsrechtlichen Regelungen weiterhin notwendig. Deshalb hat der Senat in seiner Sitzung vom 25. September 2020 einstimmig die Gültigkeit der Corona-Satzung im Wesentlichen verlängert. Neu aufgenommen wurden Regelungen für Studierende, die Risikogruppen angehören, sowie für internationale Studierende, die von Einreisebeschränkungen betroffen sind. Für diese Gruppen wurde die Möglichkeit geschaffen, Prüfungen entweder geschützt in einem gesonderten Raum an der JGU oder auch in einem anderen digitalen Format abzulegen.

Rund 31.000 Studierende im Wintersemester 2020/2021

Insgesamt erwartet die JGU zum Wintersemester 2020/2021 rund 31.000 Studierende, was etwa dem Vorjahreswert entspricht (Wintersemester 2019/2020: 31.046 Studierende). Die Zahl der Einschreibungen in das erste Fachsemester in den Wintersemestern hat sich in den vergangenen Jahren bei rund 5.200 Einschreibungen eingependelt. Ob diese Marke im Wintersemester 2020/2021 erreicht wird, steht erst fest, wenn die letzten Ein- und Umschreibungen vollzogen sind. Die JGU rechnet jedoch mit einem coronabedingten Rückgang gegenüber dem Vorjahr um 100 bis 200 Studierende. Ursachen für den Rückgang der Erst- und der Neueinschreibungen werden im Rückgang der Einschreibungen von Schulabgängern in zulassungsfreie grundständige Studiengänge und im Rückgang der Austauschstudierenden (Wintersemester 2020/2021: rund 85, Wintersemester 2019/2020: rund 360) gesehen.

Bemerkenswert ist, dass die Zahl der Bildungsausländerinnen und -ausländer, die sich für einen Abschluss an der JGU einschreiben, trotz der Corona-Pandemie gegenüber dem Vorjahr nicht zurückgegangen ist. Aufgrund des hybriden Lehrangebots können die Studierenden aus dem Ausland digital an den Veranstaltungen des Wintersemesters teilnehmen und sind in der aktuellen Situation nicht zwingend auf die Einreise nach Deutschland angewiesen.

Trotz der Corona-Pandemie ist kein Rückgang der Bewerbungszahlen gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Vielmehr haben sich die Bewerbungszahlen mit insgesamt 22.671 Bewerbungen (Vorjahreswert: 20.844) nach einem kontinuierlichen Rückgang in den vergangenen Jahren stabilisiert. Der Zuwachs ist zu gleichen Teilen den grundständigen und den Masterstudienangeboten zuzuschreiben.

Studiengänge überwiegend frei zugänglich

Im Wintersemester ermöglicht die JGU die Einschreibung in insgesamt 267 Studiengänge. Hiervon sind 119 grundständige Studiengänge (Bachelor, Staatsexamen, Magister theologiae), 135 weiterführende Master- sowie acht weiterbildende und fünf Aufbaustudiengänge. Von diesen 267 Studiengängen sind insgesamt 73 zulassungsbeschränkt, einschließlich Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie. Die überwiegende Zahl der Studiengänge an der JGU ist nach wie vor frei zugänglich, also ohne Numerus clausus.

Zu den besonders nachgefragten grundständigen Studiengängen mit örtlichen Zulassungsbeschränkungen zählen der neue Bachelorstudiengang Psychologie und Psychotherapie (B. Sc., 29 Bewerbungen je Studienplatz), der ebenfalls neu eingerichtete Bachelorstudiengang Molekulare Biotechnologie (B.Sc., 15 Bewerbungen je Studienplatz) und der etablierte Bachelorstudiengang Molekulare Biologie (B.Sc., 15 Bewerbungen je Studienplatz).

Stark nachgefragt sind nach wie vor die Staatsexamensstudiengänge Medizin und Zahnmedizin, deren Studienplätze bundesweit zentral durch die Stiftung für Hochschulzulassung vergeben werden. Bei der Stiftung für Hochschulzulassung haben sich im Wintersemester 2020/2021 für den Studienort Mainz insgesamt 25.416 Personen um einen Studienplatz in Medizin und 7.911 Personen um einen Studienplatz in Zahnmedizin beworben.

Bei den Masterstudiengängen führen die Rangliste der begehrtesten Studiengänge die neuen Master in Psychologie an (M.Sc. Klinische Psychologie, 44 Bewerbungen je Studienplatz, M.Sc. Arbeits- und Organisationspsychologie, 22 Bewerbungen je Studienplatz, Rechtspsychologie, 18 Bewerbungen je Studienplatz), gefolgt vom Schwerpunkt Unternehmenskommunikation im Master Kommunikationswissenschaft (M.A., 11 Bewerbungen je Studienplatz) und vom Master Biomedizin (M.A., 7 Bewerbungen je Studienplatz).

Gemessen an den Einschreibungen im ersten Fachsemester sind in den grundständigen Studiengängen in den technisch-naturwissenschaftlichen Fächern die Informatik (B.Sc., 151 Einschreibungen) und die Chemie (B.Sc., 102 Einschreibungen), in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern die Wirtschaftswissenschaften (B.Sc., derzeit 376 Einschreibungen), Rechtswissenschaft (Staatsexamen, derzeit 299 Einschreibungen) und Soziologie (B.A., 157 Einschreibungen in Kern- und Beifach), in den geistes- und sprachwissenschaftlichen Fächern die Germanistik (93 Einschreibungen) und die Theaterwissenschaft (93 Einschreibungen) und im Lehramt die Fächer Englisch und Deutsch (jeweils rund 265 Einschreibungen) am stärksten nachgefragt. In den Masterstudiengängen sind die meisten Einschreibungen in den Wirtschaftswissenschaften zu verzeichnen (M.Sc. Accounting und Finance, 64 Einschreibungen, International Economics & Public Policy sowie Management jeweils knapp 60 Einschreibungen).