Professorin für Evolutionäre Ökologie der Pflanzen und Direktorin des Botanischen Gartens der JGU erhält Förderung in Millionenhöhe von der EU
07.09.2026
Prof. Dr. Meret Huber, Professorin für Evolutionäre Ökologie der Pflanzen und Direktorin des Botanischen Gartens der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU), hat vom Europäischen Forschungsrat (European Research Council, ERC) die Zusage für einen ERC Starting Grant erhalten und kann nun mit einer Förderung von 1,5 Millionen Euro für fünf Jahre rechnen. Huber erhält das Geld für ihr Projekt "Plant Metabolites as Keystone Traits (METABOKEY)", mit dem sie erforschen möchte, wie pflanzliche Inhaltsstoffe das Zusammenleben verschiedener Arten beeinflussen und dadurch ganze Lebensgemeinschaften verändern können. Mit seinen Starting Grants fördert der ERC exzellente Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler am Beginn einer unabhängigen Karriere.
"Wir freuen uns sehr über den Erfolg von Meret Huber und gratulieren ihr herzlich", sagt der Präsident der JGU, Prof. Dr. Georg Krausch. "Die Förderung durch den Starting Grant des ERC ist ein Beleg für die herausragende Forschungsleistung von ihr und ihrer Arbeitsgruppe und stärkt die Lebenswissenschaften an der JGU weiter."
Das Projekt von Meret Huber:
"Plant Metabolites as Keystone Traits (METABOKEY)"
Pflanzen produzieren eine enorme Vielfalt an Stoffen. Manche dienen als Nährstoffe, andere schützen vor Fressfeinden oder beeinflussen, wie die Pflanzen mit anderen Organismen zusammenleben. Damit können Pflanzenstoffe nicht nur bestimmen, wie einzelne Pflanzen wachen und sich schützen, sondern auch, welche Arten in einem Ökosystem vorkommen und wie sie miteinander interagieren. Wie weit der Einfluss pflanzlicher Stoffe reicht, ist bislang jedoch kaum bekannt. Kann ein veränderter Pflanzenstoffwechsel eine Kettenreaktion auslösen, die sich durch ein ganzes Nahrungsnetz zieht und sogar beeinflusst, wie sich andere Arten über Generationen entwickeln? METABOKEY geht dieser Frage nach, die große Relevanz hat. Denn Klimawandel, invasive Arten sowie moderne Züchtung und Gentechnik verändern, welche Stoffe Pflanzen produzieren – mit bislang schwer vorhersehbaren Folgen für Ökosysteme. Um diese Zusammenhänge zu untersuchen, baut Hubers Arbeitsgruppe ein kontrolliertes aquatisches Nahrungsnetz rund um die Vielwurzelige Teichlinse (Spirodela polyrhiza) auf. Die kleine Schwimmpflanze eignet sich besonders gut, weil die Forschenden ihren Stoffwechsel gezielt gentechnisch verändern und anschließend unter kontrollierten Bedingungen untersuchen können, wie andere Wasserorganismen darauf reagieren.
Die Forschenden erzeugen Teichlinsen mit zwei gegensätzlichen Stoffwechselstrategien: Pflanzen, die verstärkt Abwehrstoffe bilden, und Pflanzen, die mehr Nährstoffe speichern. Anschließend untersuchen sie, welche Folgen das für Algen hat, die mit den Teichlinsen um Licht und Nährstoffe konkurrieren, sowie für Schnecken und Wasserflöhe, die sich von den Teichlinsen beziehungsweise Algen ernähren. Beim Aufbau und bei der Betreuung der experimentellen Ökosysteme wird das Projekt vom Botanischen Garten der JGU unterstützt.
METABOKEY verbindet Methoden, die bislang nur selten gemeinsam eingesetzt werden: aus der synthetischen Pflanzenbiologie, der chemischen Analytik, der experimentellen Ökologie, der Evolutionsforschung und der mathematischen Modellierung. So können die Forschenden den Pflanzenstoffwechsel gezielt verändern und verfolgen, wie sich diese Veränderungen von einzelnen Molekülen bis auf das gesamte Nahrungsnetz auswirken. Das Projekt soll damit eine grundlegende Frage beantworten: Können bestimmte Pflanzenstoffe als "Schlüsselmerkmale" wirken und dadurch bestimmen, wie sich ganze Lebensgemeinschaften zusammensetzen und über Generationen verändern? Die Ergebnisse könnten helfen, besser vorherzusagen, was mit Ökosystemen passiert, wenn Klimawandel, invasive Arten oder neue Züchtungen den Stoffwechsel von Pflanzen beeinflussen.