Neue Forschungsgruppe untersucht Theoriegeschichte der Theaterwissenschaft im geteilten Deutschland / Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft
09.04.2026
Der Theaterwissenschaftler Dr. Hans Roth ist zum 1. April 2026 mit einer Emmy Noether-Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) an die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) gekommen. Roth wird sich am Institut für Film-, Theater-, Medien- und Kulturwissenschaft mit dem Projekt "Brechts Gespenster – Theaterwissenschaftliche Theoriebildung im Ausgang des (Post-)Marxismus" beschäftigen. Die DFG fördert sein Vorhaben mit rund 1,2 Millionen Euro für einen Zeitraum von bis zu sechs Jahren. Roth wird an der JGU eine Forschungsgruppe mit zwei Doktorand*innen aufbauen. "Die Mainzer Theaterwissenschaft ist mit ihrem Schwerpunkt auf theaterbezogener Institutionenforschung ein sehr anregendes Umfeld für das Projekt", so Roth, der zuletzt an der Universität Wien lehrte. "Besonders die Beteiligung am Sonderforschungsbereich 1482 – 'Humandifferenzierung' bietet vielfältige Anknüpfungspunkte und Kooperationsmöglichkeiten."
Theaterwissenschaft im geteilten Deutschland bislang wenig erforscht
Mit seiner Forschungsgruppe will Roth untersuchen, wie sich das Theorieverständnis der deutschsprachigen Theaterwissenschaft im Zeitraum des Kalten Kriegs und der Teilung Deutschlands verändert hat. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie marxistische und postmarxistische Ansätze sowie Debatten um das geistige Erbe Bertolt Brechts gedeutet und fortgeschrieben wurden. "Die Geschichte der Theaterwissenschaft im geteilten Deutschland ist bislang wenig erforscht, obwohl damals Ansätze entstanden, die das Fach bis heute prägen", berichtet Roth. "Gerade Brecht ist bis heute ein Streitfall. An ihm zeigen sich sehr gegensätzliche Vorstellungen davon, was Theater leisten soll." Die Forschungsgruppe will auch untersuchen, wie sich künstlerische Entwicklungen und akademische Debatten zu Brechts Werken gegenseitig geprägt haben. Dabei geht es auch um einen Vergleich zweier wichtiger Theoriestränge: der in der DDR entwickelten Theatralitätsforschung und des postdramatischen Ansatzes der "Gießener Schule".
Er freue sich besonders, das Projekt in Mainz ansiedeln zu können, wo er auch studiert habe, so Roth. Nach seinem Bachelorstudium der Theater- und Politikwissenschaft an der JGU absolvierte er einen Master in Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Dort wurde er anschließend mit einer Arbeit zum Thema "Die komische Differenz. Zur Dialektik des Lächerlichen in Theater und Gesellschaft" promoviert. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Theaterwissenschaft der FU Berlin wirkte er insbesondere am Sonderforschungsbereich "Affective Societies" mit. Dieser erforscht, wie Affekte und Emotionen die Gesellschaft prägen. Im Wintersemester 2025/2026 vor seinem Wechsel an die JGU war Roth als Lehrbeauftragter am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien tätig.