GeneNovate® fördert Transfer innovativer medizinischer Lösungen in die Krankenversorgung / Auszeichnung für unternehmerisches Denken im Bereich gen- und zellbasierter Therapien beim GeneNovate®-Finale 2026
26.06.2026
GEMEINSAME PRESSEMITTEILUNG DES NATIONALEN NETZWERKBÜROS FÜR GEN- UND ZELLTHERAPIE UND DER JOHANNES GUTENBERG-UNIVERSITÄT MAINZ
Mit der Auszeichnung der vier besten Projektideen ist gestern in München die 3. Runde des GeneNovate® Entrepreneurship-Programms zu Ende gegangen. Beim diesjährigen Finale des bundesweiten Programms der Nationalen Strategie für gen- und zellbasierte Therapien (Nationale Strategie GCT), an dem die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) für den Standort Rhein-Main seit Programmstart 2024 beteiligt ist, wurden insgesamt 25 vielversprechende Ideen und Geschäftsmodelle mit Potenzial für zukünftige Gesundheitslösungen vorgestellt. Dabei überzeugten die teilnehmenden Teams mit Ansätzen für die zukünftige Gesundheitsversorgung, darunter das Team um Prof. Dr. Kristina Friedland vom Institut für Pharmazeutische und Biomedizinische Wissenschaften der JGU mit dem Projekt "AlzDetect", das durch blutbasierte Tests eine frühere Diagnose der Alzheimer-Krankheit sowie eine zeitnahe Intervention ermöglichen soll. Außerdem war aus dem Rhein-Main-Gebiet das Projekt "NeoReGenesis" des Teams um Dan Sabatelli im Finale vertreten. NeoReGenesis entwickelt eine allogene CAR-T-Therapie zur Behandlung des systemischen Lupus erythematodes und plant, die Technologie zu einer universell einsetzbaren Plattform für allogene Zelltherapien auszubauen.
Insgesamt reichte die Bandbreite der im Finale vorgestellten 25 Projektideen von innovativen CAR-T-Zelltherapien über neuartige Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADC) bis hin zu KI-gestützten Plattformtechnologien für Geneditierung oder personalisierte Arzneimittelherstellung. Letztlich prämiert wurden die Teams MACULA PATCH, Next-PA, ReRetina und ZELF aus den GeneNovate®-Regionen Ost, Nordrhein-Westfalen und Berlin. Die Gewinner-Projekte erhalten ein persönliches Coaching zur Ideenverifikation.
Potenzial im Bereich Gen- und Zelltherapien, Biotech und MedTech entfalten
Gen- und zellbasierte Therapien (GCT) setzen dort an, wo viele Krankheiten ihren Ursprung haben: in den Genen und Zellen. Während herkömmliche Medikamente meist nur Beschwerden lindern, versuchen neue GTC-Ansätze, die eigentliche Ursache einer Erkrankung zu beheben. Dadurch entstehen neue Behandlungsmöglichkeiten für Menschen mit schweren oder seltenen Krankheiten, für die es bislang keine geeignete Therapie gibt. Auch bei weitverbreiteten Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs eröffnen sich neue Perspektiven. Diese Technologien bieten zudem große Chancen für Forschung, Wirtschaft und Gesundheitsversorgung in Deutschland.
Trotz der hohen wissenschaftlichen Exzellenz im Bereich GCT gelingt es in Deutschland bislang nur begrenzt, Forschungsergebnisse in erfolgreiche Unternehmensgründungen und klinische Anwendungen zu überführen. Insbesondere Wissenschaftler:innen und Ärzt:innen verfügen häufig über herausragende fachliche Expertise, haben jedoch nur wenig Zugang zu unternehmerischem Know-how, Business-Netzwerken und Finanzierungsmöglichkeiten. Gleichzeitig sind die Anforderungen an die Entwicklung von GCT besonders hoch: Lange Entwicklungszeiten, komplexe regulatorische Rahmenbedingungen sowie erheblicher Kapitalbedarf stellen hohe Hürden für Neugründungen dar.
Als bundesweites Entrepreneurship-Programm unterstützt GeneNovate® Wissenschaftler:innen und Mediziner:innen dabei, ihr translationales und unternehmerisches Potenzial im Bereich Gen- und Zelltherapien, Biotech und MedTech zu entfalten. Das Programm vermittelt nicht nur die Grundlagen des Unternehmertums, sondern fördert gezielt interdisziplinären Wissenstransfer und vernetzt Teilnehmende mit Expert:innen aus Forschung, Klinik, Industrie, Regulatorik und Finanzierung. Am diesjährigen GeneNovate® Entrepreneurship-Programm nahmen rund 200 Forschende und Mediziner:innen aus ganz Deutschland teil. In 18 Trainings- und Mentoring-Modulen entwickelten die Teilnehmenden ihre Ideen weiter und bereiteten diese auf eine mögliche Translation in die Anwendung sowie auf Ausgründungen von Startups vor.
GeneNovate® in der Rhein-Main-Region
Das GeneNovate®-Programm wird vom Nationalen Netzwerkbüro GCT Germany gemeinsam mit den Verantwortlichen der aktuell neun deutschen Standortregionen koordiniert. Über alle neun Regionen hinweg beteiligen sich über 50 Institutionen. Der Standort Rhein-Main wird seit Start des Programms 2024 durch die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) vertreten. Ausgehend vom Schwerpunkt Gen- und Zelltherapie wurde hier der Fokus zwischenzeitlich erweitert auf Life Sciences insgesamt. Zudem können neben Forschenden der JGU und der Universitätsmedizin Mainz mittlerweile auch Mitglieder der Goethe-Universität Frankfurt und der Technischen Universität Darmstadt über den Verbund der Rhein-Main-Universitäten (RMU) sowie auch Mitglieder externer Partnereinrichtungen am Workshop-Programm auf dem Gutenberg-Campus teilnehmen.
Neben zahlreichen lokalen Netzwerkpartnern wie dem Life Science Zentrum Mainz und biomindz unterstützen insbesondere die Healthcare Shapers das Mainzer Programm tatkräftig, indem zahlreiche Mitglieder des bundesweiten Netzwerks als Expert:innen und Mentor:innen bei der Entwicklung forschungsbasierter Businessideen unterstützen und kontinuierlich begleiten.
"Das GeneNovate-Programm und sein bundesweites Netzwerk aus Wissenschaft, Wirtschaft und Kapital ist ein zentraler Baustein, um den Standort Deutschland und insbesondere auch die Rhein-Main-Region in den Life Sciences zu stärken und voranzubringen. Als Teil der wachsenden GeneNovate-Familie gestalten wir auf diese Weise die Gesundheitsversorgung von morgen mit", betont Prof. Dr. Stefan Müller-Stach, Vizepräsident für Forschung und wissenschaftliche Karrierewege an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.
Dirk Schmitt, Geschäftsführer der Life Science Zentrum Mainz GmbH, ergänzt: "GeneNovate zeigt eindrucksvoll, wie standortübergreifende Zusammenarbeit Innovationen in der Gen- und Zelltherapie beschleunigt und unternehmerisches Denken in den Life Sciences stärkt." Und Dr. Evelyn Rossmann, Network Developer Biotech bei biomindz – Life Science Hub Mainz, unterstreicht: "Mainz ist mehr als ein Standort, es ist ein Startpunkt. Hier entstehen mit GeneNovate die Lösungen für die medizinischen Fragen von morgen. biomindz ist dabei – denn Innovation braucht Verbündete und einen Ort, an dem man Wachsen kann."
Auch Melissa Ott, Managing Director der Futury GmbH, hinter der die Rhein-Main-Universitäten Frankfurt, Mainz und Darmstadt sowie die Frankfurt School of Finance & Management stehen, schätzt das Entrepreneurship-Programm: "GeneNovate setzt genau am richtigen Punkt an und arbeitet mit Forschenden und frühen Ideen, noch bevor jemand ans Gründen denkt. Nur so lässt sich die Translation aus der Wissenschaft in die Praxis wirklich anwerfen. Bei Futury teilen wir vor allem den kollaborativen Ansatz: Erfolgreiche Gründungen im Life-Sciences-Bereich entstehen, wenn Standorte und Ökosysteme in Deutschland zusammenarbeiten."
Bundesweit zusätzliche Standorte ab 2027
Seit der Gründung im Jahr 2024 ist das bundesweite Programm stark gewachsen und wird 2027 auf zusätzliche Standorte ausgeweitet. Neben dem GeneNovate® Entrepreneurship-Programm mit Schwerpunkt auf frühen akademischen Projekten bringt der GeneNovate® Investors' Day bereits etablierte Startups gezielt mit potenziellen Investor:innen zusammen, um vielversprechende Entwicklungen auf ihrem weiteren Weg in die klinische Anwendung zu unterstützen.
Über Gen- und Zelltherapien
Gen- und Zelltherapien (GCT) zählen zu den wichtigsten Innovationen im Gesundheitsbereich. Sie haben das Potenzial, die Behandlung von Krebs, Autoimmunerkrankungen, neurodegenerativen Erkrankungen und vielen seltenen genetischen Krankheiten grundlegend neu aufzustellen. Die neuartigen Therapien basieren auf Genen, Geweben oder Zellen und enthalten daher oft lebende Bestandteile. Die deshalb auch als "lebende Medikamente" bezeichneten Produkte können besser als klassische Arzneimittel individuell auf Patient:innen ausgerichtet werden und eignen sich besonders für die Behandlung von Erkrankungen, die bisher nicht oder nur schlecht behandelbar waren. Obwohl Hunderte klinischer Studien zur Entwicklung von Gen- und Zelltherapeutika laufen, sind bisher nur wenige Produkte in Europa zugelassen.
Nationale Strategie für gen- und zellbasierte Therapien
Die Nationale Strategie GCT wurde 2022 vom damaligen Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF, mittlerweile BMFTR) beauftragt und in einem moderierten Prozess mit rund 150 Stakeholdern erarbeitet. Mit dem Ziel, das Patient:innenwohl und den Biotech-Standort Deutschland aktiv zu fördern, haben Vertreter:innen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft acht Handlungsfelder mit insgesamt 90 konkreten Maßnahmen definiert und im Juni 2024 dem Bundesforschungsministerium übergeben. Das Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) moderierte die Erarbeitung des Strategiepapiers und hat aktuell die Sprecherschaft inne. Es koordiniert in dieser Rolle die weitere Ausarbeitung und Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen.