Netzwerk als Brücke zwischen Geisteswissenschaft, Informatik und Gesellschaft
21.10.2025
Seit zehn Jahren bündelt das Mainzer Zentrum für Digitalität in den Geistes- und Kulturwissenschaften (mainzed) die Kompetenzen von sechs Mainzer Wissenschaftseinrichtungen an der Schnittstelle von Forschung, Lehre und Transfer. In mainzed kooperieren:
- die Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz
- die Hochschule Mainz
- das Institut für Geschichtliche Landeskunde Rheinland-Pfalz e.V.
- die Johannes Gutenberg-Universität Mainz
- das Leibniz-Institut für Europäische Geschichte und
- das Leibniz-Zentrum für Archäologie
Das Netzwerk hat sich in dieser Zeit zu einer zentralen Stimme der Digital Humanities entwickelt – und prägt die digitale Forschungskultur weit über Mainz hinaus.
"Als wir anfingen, waren wir eine Handvoll Forschende verteilt auf sechs Institutionen. Seither haben sich die mainzed-Partner alle auf die digitale Transformation eingestellt und dabei voneinander profitieren können. Zehn Jahre später zählen wir mehr als fünfzig Menschen, die über das mainzed vernetzt sind", betont Prof. Dr. Kai-Christian Bruhn, Direktor des mainzed.
Forschungsinfrastruktur für digitale Geisteswissenschaften
Die institutionell vernetzten Aktivitäten im Rahmen von mainzed haben ein interdisziplinäres Profil in digitalen Methoden, Datenmanagement und geisteswissenschaftlicher Forschung in Mainz etabliert. Sie haben auch die Grundlage gelegt für die Mitwirkung in der nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI). Drei Partnerinstitutionen von mainzed wirken heute in zentralen Positionen an NFDI4Objects, NFDI4Culture und NFDI4Memory mit, die sich der Sicherung und Nachnutzung von Forschungsdaten aus dem materiellen und immateriellen Kulturerbe sowie der Geschichtswissenschaft auf nationaler Ebene und darüber hinaus widmen.
"Im mainzed waren dezentrale und aus der Praxis heraus entwickelte institutionsübergreifende Vorhaben bereits angelegt. Unsere Erfahrungen daraus haben den Aufbau der NFDI-Konsortien gestützt", berichtet Prof. Torsten Schrade, Leiter der Digitalen Akademie in Mainz und Sprecher NFDI4Culture. Und Prof. Dr. Johannes Paulmann, Sprecher von NFDI4Memory und Direktor des Leibniz-Instituts für Europäische Geschichte (IEG), ergänzt: "Mit dem DH Lab und NFDI4Memory haben wir in den letzten Jahren die Digitalität im IEG etabliert. Die vielen Mitarbeitenden, die auch aus dem Ausland zu uns gekommen sind, finden im mainzed-Netzwerk ein ideales Umfeld."
Digitale Methodik als Studienangebot
Ein zentrales Ergebnis im Bereich der Lehre in mainzed ist die Konzeption und Durchführung des hochschulübergreifenden Masterstudiengangs "Digitale Methodik in den Geistes- und Kulturwissenschaften", der seit 2016 von den mainzed-Partnern getragen wird. Der Studiengang ist deutschlandweit einzigartig: An der Hochschule Mainz und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz werden Fachwissenschaftlerinnen und Fachwissenschaftler ausgebildet, die digitale Verfahren in den Geisteswissenschaften nicht nur anwenden, sondern kritisch reflektieren und weiterentwickeln können. Mehr als 70 Absolventinnen und Absolventen haben das Studium bereits erfolgreich abgeschlossen und arbeiten heute in renommierten Forschungsprojekten und Gedächtnisorganisationen sowie in der freien Wirtschaft.
"Die Studierenden lernen, Brücken zwischen geisteswissenschaftlichen Fragestellungen und digitalen Werkzeugen zu schlagen – das ist die Grundlage für aktuelle und künftige Forschung", unterstreicht Prof. Dr. Gerhard Lauer, stellvertretender Direktor des mainzed und Inhaber des Gutenberg-Lehrstuhls für Buchwissenschaft an der JGU.
Transfer und Öffentlichkeit
mainzed versteht sich auch als Plattform für den wissenschaftlichen Dialog und gesellschaftlichen Wissenstransfer. Mit Formaten wie mainzedZWEI, öffentlichen Ringvorlesungen und thematischen Workshops hat das Zentrum in den zehn vergangenen Jahren kontinuierlich Diskussionsräume in der Region geschaffen, in denen Wissenschaft, Kulturinstitutionen und Öffentlichkeit miteinander ins Gespräch kommen.
"Das LEIZA war mehrfach Gastgeber zentraler mainzed-Veranstaltungen", berichtet Prof. Dr. Alexandra Busch, Generaldirektorin des LEIZA. "mainzed hat dazu beigetragen, dass wir unsere Sammlungen, Daten und Erkenntnisse in einem neuen, vernetzten Kontext denken – und gemeinsam Perspektiven für die Zukunft der digitalen Archäologie entwickeln. Besonders die Querverbindungen zu anderen geisteswissenschaftlichen Disziplinen und deren digitalen Methoden bereichern die archäologische Forschung nachhaltig."